91 Prozent der Bundesbürger finden Zunahme von Burnout wenig überraschend

Vor einigen Wochen hatten wir ein aktuelles Buch des Schweizer Historikers Dr. Patrick Kury vorgestellt. In seiner Arbeit “Der überforderte Mensch” beschäftigt er sich damit, wie sich unsere heutige Sicht auf Stress und seine Folgen Wissens- und sozialgeschichtlich herausgebildet hat. Stress in seiner aktuellen Definition ist demnach ein Phänomen, das erst gegen Ende des 20. Jahrhunderts gesellschaftliche Relevanz gewonnen hat. Den Hintergrund dafür bilden die Entwicklung der “postindustriellen” und digital geprägten Dienstleistungsgesellschaft mit ihrer Grenzverwischung zwischen Berufsarbeit und privatem Leben sowie die sich verschärfenden Leistungsanforderungen in einer globalen Arbeitswelt. Patrick Kury versteht die aktuellen Debatten um Stress und Burnout ebenso als Anpassungs- wie als Verweigerungsversuch gegenüber diesen Trends.

Eine aktuelle und deutschlandweit repräsentative Umfrage des britischen Marktforschungsinstituts YouGov unterlegte diese Sicht des Wissenschaftlers jetzt mit aktuellen Zahlen. Für die Studie wurden im Auftrag der Betriebskrankenkasse Siemens SBK insgesamt 1.009 Personen interviewt.

In der modernen Arbeitswelt kann Burnout jeden treffen

91 Prozent der Interviewten zeigten sich von der rasanten Zunahme von Burnout-Fällen in einer “immer schneller werdenden Arbeitswelt” wenig überrascht. 87 Prozent gaben an, dass nicht nur beruflicher, sondern auch privater Stress zur Burnout-Falle werden kann. Jeder dritte hat bereits selbst Burnout-Symptome verspürt respektive durch die Informationen aus der öffentlichen Burnout-Debatte gelernt, seine Beschwerden als solchen zu definieren. 22 Prozent der Studienteilnehmer kritisierten allerdings den Begriff “Burnout” als ein Modewort, hinter dem sich eigentlich Überarbeitung verbirgt. Drei Prozent bewerteten die Burnout-Diskussion als “Medien-Hype”. Als “Managerkrankheit”, die den expliziten Leistungsträger-Status der Betroffenen nochmals unterstreicht, wird ein Burnout dagegen nur von zwei Prozent der Studienteilnehmer gesehen. Dagegen gaben 85 Prozent der Befragten an, dass ein Burnout jeden treffen kann.

Stress-Debatte sensibilisiert für aktive Burnout-Prävention

Die YouGov-Erhebung stützt damit in hohem Maße Patrick Kurys These, dass moderne Belastungskrankheiten, also vor allem Burnout, eine wichtige Rolle als Ventil gegen strukturelle Überforderung erfüllen. Gleichzeitig heben sie der Tendenz nach das soziale Stigma auf, mit dem psychische Erkrankungen auch heute noch belastet sind. Dem Einzelnen ermöglichen sie damit in kulturell akzeptierter Form, individuelle Belastungsfolgen ebenso zu äußern wie soziales Unbehagen.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer ist durch diese Dimension der Stress-Debatte ein Prozess in Gang gekommen, der sich einerseits in der gesellschaftlichen und medialen Debatte zum Thema niederschlägt, jedoch auch dazu führt, dass sich viele Menschen bewusster mit ihren individuellen Bedürfnissen und überfordernden Aspekten ihrer Arbeits- und Lebenssituation befassen. Auf lange Sicht wird aktive Burnout-Prävention dadurch hoffentlich zu einem selbstverständlichen Bestandteil unseres Alltags werden. Ihre persönlichen Strategien dafür entwickeln Sie mit professioneller Unterstützung unter anderem in unseren Intensiv-Trainings zur Burnout-Prävention.

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Datum: Montag, 12. November 2012 11:48
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