Acht Punkte gegen Stress

Die aktuelle Burnout-Diskussion fokussiert sich auf die gesellschaftlichen und technologischen Gründe von Stress und permanenter Überforderung – eine Lösung dafür soll dementsprechend auf der politischen und sozialen Ebene gefunden werden. Was der Einzelne tun kann, um einen Burnout zu verhindern, bleibt oft vage: Grenzen setzen, Perfektionismus überwinden, Raum für die Erfüllung der eigenen körperlichen und seelischen Bedürfnisse schaffen. Im Alltag und angesichts der „objektiv“ gegebenen Forderungen von Arbeitgeber und Familie stellt sich die Frage, wie das eigentlich funktionieren soll.

Von der Hamburger Gesundheitsmanagerin, Qi-Gong-Lehrerin und Coachin Susanne Preiss stammt ein Acht-Punkte-Plan zur Stressvermeidung, der sich in jeden Tagesablauf integrieren lässt. Die studierte Betriebswirtin weiß genau, um was es dabei geht – vor ihrer eigenen Auszeit, (Studien-) Reisen nach Asien und Südamerika und dem Erlernen asiatischer Entspannungstechniken war sie in Führungspositionen in der Werbebranche tätig. Susanne Preiss formuliert als ihren Ausgangspunkt, dass nicht Zeit, sondern Energie unsere „wichtigste Ressource“ ist und leitet daraus acht scheinbar simple Punkte ab, die uns zu größerer „energetischer Balance“ verhelfen sollen.

1. Bewegung

Unser Körper ist evolutionär auf Bewegung programmiert, unsere Stressreaktionen sind mit den Reaktionsmustern „Kampf“ oder „Flucht“ verbunden. In früheren Zeiten wurde Stress durch die entsprechenden Bewegungsreaktionen und eine den Körper insgesamt fordernde Lebensweise abgebaut. Der Dauerstress in heutigen Büros resultiert auf der individuellen Ebene auch aus Bewegungsmangel. Bewegung in den Alltag zu integrieren, bringt uns wieder in Einklang mit unserer eigenen „Biologie“, baut Stresshormone ab und sorgt durch die Ausschüttung von Endorphinen für „bessere Stimmung“ – ideal dafür sind Ausdauersportarten wie Laufen, Radeln oder Schwimmen.

2. Pausen

Die Belastungskurve jedes Menschen bewegt sich in Zyklen von 90 bis 120 Minuten – auf eine entsprechende „Hochleistungsphase“ folgen Erschöpfungsphasen. Kleine Pausen helfen, das „Energieniveau“ von Körper und Seele zu erhalten – besonders wirksam im Büro sind Atem- und Entspannungsübungen, für die bereits wenige Minuten reichen.

3. Meditationen

Stress fördert im Gehirn die Aktivität der sogenannten präfrontalen Cortex, also unseres rationalen Planungszentrums. Überforderung bedeutet auch Distanzverlust – wir können dann die Anforderungen, mit denen wir tatsächlich konfrontiert sind, nicht mehr optimal koordinieren oder überblicken. Meditationen helfen unter anderem dabei, unseren Alltag sozusagen von außen zu betrachten, wieder Distanz und damit innere Ruhe zu gewinnen. Welche Meditationsform persönlich ideal ist, bleibt uns persönlich überlassen – ideal für den Einstieg ist oft ein professioneller Kurs.

4. Bauchatmung

Unter Stress neigen wir dazu, flach zu atmen – Körper und Gehirn werden dabei nicht mehr optimal mit Sauerstoff versorgt, dieses Defizit verstärkt das individuelle Missbehagen. Bei der Bauchatmung wird einerseits ein großes Luftvolumen ausgetauscht, bei bewusster Anwendung ist sie gleichzeitig eine wirksame Entspannungsübung, für die nur wenige Minuten nötig sind.

5. Konzentration statt Multitasking

Multitasking scheint in der digitalisierten Arbeitswelt im Trend zu liegen – die Fähigkeit dazu wird oft als Leistungs- oder Effizienzkriterium bewertet. In der Praxis unterbricht das gleichzeitige Erledigen mehrerer Dinge den produktiven „Workflow“, führt zu Fehlern, Stress und dem Gefühl, eigentlich nichts zu schaffen. Konzentration auf eine Sache lässt sich – mit etwas Konsequenz und Disziplin – erlernen und ermöglicht nicht nur mehr Ruhe, sondern auch größere Befriedigung bei der Arbeit.

6. Online-Offline-Rituale

E-Mails oder SMS durchbrechen nicht nur regelmäßig unsere Konzentration, sondern führen auch zu neuronalen Reaktionen: Durch das akustische Signal, dass eine Nachricht eingegangen ist, wird kurzfristig Dopamin – also Glückshormone – ausgeschüttet. Zwei bis vier feste Termine am Tag reichen in der Regel aus, auf Mails und andere Mitteilungen angemessen zu reagieren. Entsprechende „Online-Offline-Rituale“ werden – einmal praktiziert – von den beruflichen Kontakten inklusive Kollegen oder Vorgesetzten schnell akzeptiert und respektiert. Für konzentrierte Arbeitsphasen ist empfehlenswert, die digitale Kommunikation für diesen Zeitraum abzuschalten.

7. Gesunde Ernährung

Die Art und Weise, wie wir uns ernähren, entscheidet mit über unsere Konzentrations- und Leistungsfähigkeit. Wer nicht genügend Wasser trinkt, leidet oft unter Spannungskopfschmerz sowie Verspannungen der Nacken- oder Schultermuskeln, wer ohne gesundes Frühstück im Büro erscheint, bringt sich um wichtige Energie-Ressourcen. Eine Ernährung, die auf Vollwert-Lebensmittel, Obst und Gemüse fokussiert ist sowie der weitgehende Verzicht auf Alkohol und Kaffee halten uns insgesamt gesund und steigern unser energetisches Potenzial im Alltag.

8. Was gibt unserem Leben wirklich Sinn?

In ungeliebten Jobs arbeiten viel zu viele Menschen – Energie, Sinn und innere Befriedigung können aus einer solchen Arbeit nicht erwachsen. Wer dauerhaft – und nicht nur aus „äußeren Gründen“ – mit seiner Arbeit unzufrieden ist, kommt irgendwann nicht darum herum, sich die „Sinnfrage“ explizit zu stellen. Ein gut vorbereiteter Stellenwechsel oder der Wechsel in den eigentlichen Traumberuf sind in der Realität oft weit weniger bedrohlich als wir es auf den „ersten Blick“ empfinden. Auch unterhalb eines solchen radikalen Bruchs finden wir viele Möglichkeiten, unserem Leben Sinn und uns damit mehr Energie zu geben. Die Fokussierung auf einen bestimmten Arbeitsplatz, ein bestimmtes Unternehmen oder auch auf unsere Karriereplanung insgesamt müssen wir dafür allerdings zunächst durchbrechen.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer fasst Susanne Preuss mit ihrem Acht-Punkte-Plan gegen Stress alle wesentlichen Aspekte einer nachhaltigen individuellen Burnout-Prävention zusammen. Die entsprechenden Themen werden Sie auch in unserer Arbeit wiederfinden. In unseren Intensivtrainings zur Burnout-Prävention reflektieren Sie zunächst Ihre Arbeits- und Lebenssituation sowie Ihre Ressourcen. Im nächsten Schritt entwickeln Sie zusammen mit unserem Therapeuten-Team Ihr persönliches Konzept für notwendige – und machbare – Veränderungen.

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Datum: Freitag, 22. Februar 2013 10:36
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