Arbeit mit nach Hause nehmen oder Überstunden machen?

Bei der Entstehung eines Burnout wirken zahlreiche Faktoren: Stress, fehlende Anerkennung im Beruf, Führungsfehler Vorgesetzter und natürlich auch zeitliche Überlastung. In der aktuellen Burnout-Diskussion spielen dabei natürlich auch ständige Erreichbarkeit und Überstunden eine Rolle. Im Extremfall kann beides dazu führen, dass Arbeitnehmer zumindest ihrem subjektiven Empfinden nach gar keine Freizeit mehr erleben.

Ärzte warnen in diesem Zusammenhang davor, wegen zu großem Arbeitsdruck die Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Sehr wahrscheinlich wird dadurch auch die Wohnung bald zum Arbeitsplatz – und auch das private Leben dreht sich so bald nur noch um den Job. Arbeitsmediziner des TÜV Rheinland meinten jetzt, dass es besser und gesünder sei, notfalls auch bis zum späten Abend im Büro zu bleiben. Das Abschalten in der Freizeit gelinge dann trotz langer Anwesenheitszeiten am Arbeitsplatz deutlich besser.

“Entgrenzung der Arbeit” – zwischen persönlicher Unabhängigkeit und Burnout-Risiko

Die Frage greift einige wichtige Themen der Burnout-Debatte auf. Unsere Gesellschaft ist dabei, sich von der Produktions- zu einer Dienstleistungsgesellschaft zu wandeln, die immer stärker über digitale Prozesse funktioniert. Smartphones, Laptops oder Tablets sind sowohl im beruflichen als auch im privaten Alltag unsere ständigen Begleiter und führen dazu, dass sich die Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit immer mehr verwischen.

Dieser Prozess muss nicht zwangsläufig negative Folgen oder einen Burnout nach sich ziehen – viele Berufstätige erleben ihn auch als Befreiung von starren Zeitregimes im Arbeitsleben und größere Unabhängigkeit im Alltag. Kritisch wird es immer dann, wenn es durch diese “Entgrenzung der Arbeit” nicht mehr gelingt, genügend Zeit für private Interessen, Familie, Freunde oder Hobbys aufzubringen.

Überstunden im Büro – als Dauerlösung nicht akzeptabel

Die Mehrarbeit am Arbeitsplatz – und nicht zu Hause – kann in solchen Fällen helfen, die berufliche Tätigkeit wieder eindeutiger von der privaten Sphäre abzugrenzen. Allerdings ist hierfür auch Disziplin erforderlich: Wer regelmäßig bis kurz vor Mitternacht in der Firma rackert, wird körperlich und seelisch bald auch dann an seine Grenzen kommen, wenn es ihm gelingt, vor der Bürotür gedanklich abzuschalten. Bei regelmäßigen Überstunden stellt sich die Frage, ob wirklich betriebliche Erfordernisse oder nicht doch der eigene Perfektionismus dahinter steht.

Auch die jeweilige Firmenkultur spielt hier oft eine Rolle. Wenn Vorgesetzte möglichst lange Anwesenheitszeiten im Büro als ein Kriterium für berufliches Engagement betrachten und aus diesem Grund selber regelmäßig Überstunden leisten, verselbstständigt sich das Prozedere schnell und wird dann zum dauerhaften und belastenden Freizeitkiller. Gegen Überstunden – idealerweise mit späterem Freizeitausgleich – für ein Projekt oder einen größeren Auftrag ist nichts einzuwenden. Hinter Mehrarbeit als einer “normalen” Anforderung in Unternehmen verbergen sich jedoch in der Regel grobe Management-Fehler.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer sind allerdings nicht nur die Firmen, sondern jeder einzelne Mitarbeiter dafür verantwortlich, eine positive Work-Life-Balance zu erreichen. In unseren Intensivprogrammen zur Prävention und Therapie von Burnout arbeiten Sie an Ihrer persönlichen Strategie gegen zu großen Arbeitsdruck und lernen, Grenzen gegen unangemessene (Zeit)Forderungen von Vorgesetzten, aber auch gegenüber dem eigenen Perfektionismus zu setzen.

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Datum: Montag, 29. Oktober 2012 11:58
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