Arbeit – warum sie glücklich oder krank macht

Über die Arbeit des Freiburger Neurobiologen und Psychiaters Professor Dr. Joachim Bauer hatten wir schon in einem etwas früheren Blogbeitrag berichtet. Der renommierte Burnout-Forscher wendet sich unter anderem gegen die auch bei Medizinern nach wie vor gängige Gleichsetzung von Burnout und Depressionen sowie medikamentöse Therapieversuche im Fall einer Burnout-Diagnose. Im Zentrum einer wirkungsvollen Burnout-Prophylaxe müsse eine Neudefinition von “menschenwürdigen Arbeitsplätzen” stehen, welche die Veränderung der Arbeitswelt durch Globalisierung und Digitalisierung einbezieht.

Vor kurzem hat der Freiburger Burnout-Experte ein neues Buch veröffentlicht. Unter dem Titel “Arbeit – Warum unser Glück von ihr abhängt und warum sie uns krank macht” vertieft und systematisiert er seine Thesen zur modernen Arbeitswelt sowie zu einer aktiven Burnout-Prophylaxe. Dem Web-Portal ” Heise Telepolis” gab er jetzt dazu ein Interview.

Veränderung der Arbeitswelt in den letzten 50 Jahren strukturell bisher nicht bewältigt

Arbeit – und ausdrücklich auch Berufsarbeit – ist für Joachim Bauer im Idealfall eine Quelle von Befriedigung oder sogar Glück. Sie ist ein “Betätigungsfeld für unsere Kreativität”, lässt Menschen ihre “Selbstwirksamkeit” erleben, verhilft zu Wertschätzung und Anerkennung sowie zu sozialem Eingebunden-Sein. Ihre Kehrseite tritt immer dann zutage, wenn schlechte Arbeitsbedingungen zu körperlichen und seelischen Belastungen führen.

In den letzten 50 Jahren haben sich Arbeit und Arbeitsbedingungen stark verändert. Für die Mehrheit der Arbeitnehmer geht es heute nicht mehr um eine Beanspruchung durch schwere körperliche Arbeit, sondern um psychomentale/seelische Belastungen, zu denen unter anderem Arbeitsbeschleunigung und -Verdichtung, Multitasking, das Bewältigen großer Informationsmengen sowie das Eindringen der Berufsarbeit in den privaten Bereich gehören. Hinzu kommt in vielen Unternehmen eine Mitarbeiterführung, in der Wertschätzung und Anerkennung nur eine marginale Rolle spielen. Professor Bauer hob in diesem Zusammenhang hervor, dass unser Gehirn nur dann positive “Motivationsbotenstoffe” bilden kann, wenn auf Anstrengungen auch eine Belohnung folgt – bleibt diese aus, sind langfristig Stress und Burnout die Folge.

“Shareholder Value” statt Perspektiven für Unternehmen und Mitarbeiter

Professor Bauer kritisiert vor diesem Hintergrund – zusammen mit dem US-amerikanischen Soziologen Richard Bennett – nicht nur die technischen Veränderungen in der modernen Arbeitswelt, die sich aus digitalen Informationstechnologien oder elektronisch gesteuerten Fertigungsprozessen ergeben, sondern vor allem die “Kultur des neuen Kapitalismus”, die sich massiv an den Arbeitsplätzen auswirkt. Im Kern geht es dabei darum, dass sich das Management vieler großer Firmen nicht mehr primär am Ziel einer langfristig positiven Unternehmensentwicklung, sondern am “Shareholder Value”, also Investoreninteressen und Börsenkursen, orientiert. Die Folgen bestehen oft in permanenten Umstrukturierungen sowie der Entlassung qualifizierter, aber “zu teurer” Mitarbeiter zugunsten jüngerer, billigerer sowie befristet eingestellter Arbeitskräfte.

In seinem Buch stellt der Burnout-Experte schließlich die These auf, dass der Mensch auch evolutionär für die heutigen Arbeitsformen nicht geeignet ist. Eine Arbeitsteilung im modernen Sinne habe sich historisch erst vor rund 10.000 Jahren herausgebildet, in ihrer heutigen Extremform führe sie zu sozialer Desintegration und zahlreichen körperlichen und seelischen Leiden. Als Gegenbild dazu plädiert er für eine Definition von Arbeit, die sich an der realen Leistungsfähigkeit, aber auch den Erholungsbedürfnissen von Individuen orientiert. Eine solche positive Arbeit darf zwar anstrengen, sollte jedoch weder zu permanenter Hetze noch monotonen Arbeitsabläufen führen. Neben Pausen und Erholungszeiten seien vor allem gutes Arbeitsklima sowie eine “freundliche und gerechte Mitarbeiterführung” wichtig.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer bringen Joachim Bauers Thesen über eine “menschenwürdige Arbeit” viele Probleme unserer Tage sowie deren Hintergründe auf den Punkt. In der Praxis haben die meisten Menschen jedoch wenig bis keine Einflussmöglichkeiten auf die (strukturelle) Gestaltung ihres Arbeitsumfelds. Auch wenn viele Unternehmen inzwischen eine aktive Burnout-Prävention unterstützen, bleibt diese bis auf weiteres vor allem eine individuelle Angelegenheit. Wir raten, sich möglichst schon vor den ersten Burnout-Symptomen mit dieser Problematik zu befassen. In unseren Intensivtrainings zur Burnout-Prävention finden Sie einen professionellen Rahmen für eine “kreative Auszeit”, in der es um Sie und Ihren persönlichen Weg zu einem innerlich erfüllten Leben geht.

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Datum: Freitag, 14. Juni 2013 12:00
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