Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt: Burnout wird nicht durch den Job verursacht

Dass Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt die aktuelle Burnout-Debatte skeptisch sieht, ist nicht wirklich neu – zu den Forderungen nach politischer Aufmerksamkeit für die Problematik, größerer Verantwortung der Unternehmen und Arbeitsschutzgesetzen, die auch den psychischen Belastungen der modernen Arbeitswelt Rechnung tragen, hatte er sich in der Vergangenheit bereits mehrfach negativ geäußert.

Arbeitgeber können Defizite aus anderen Lebensbereichen nicht “reparieren”

In einem aktuellen Interview in der “Welt” fasste Hundt seine Sicht der Dinge jetzt nochmals zusammen: Psychische Erkrankungen seien demnach ein Problem, dass durch die Arbeitgeber “sehr ernst genommen”, jedoch durch die Arbeit nicht verursacht wird. Psychische Probleme entstünden vielmehr durch “viele Einflussfaktoren, die sich oft aus dem privaten Leben und dem Freizeitverhalten der Betroffenen ergeben – die Unternehmen könnten hier normalerweise nur schwer oder gar nicht Einfluss nehmen. Als Fazit fand Hundt recht klare Worte: Arbeitgeber und Unternehmen könnten “nicht alles reparieren”, was in Einzelfällen in Lebensbereichen außerhalb der Arbeit “schiefgelaufen” ist. In früheren Äußerungen hatte Hundt bereits auf genetische Faktoren als Auslöser von Burnout und anderen psychischen Leiden abgestellt.

Dem Vorwurf, dass bisher nur sehr wenige Unternehmen überhaupt Konzepte gegen die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz entwickelt haben, widersprach Hundt mit dem Argument, dass Berufsarbeit in der Regel für ein besseres Selbstwertgefühl, Zufriedenheit und gesellschaftliche Anerkennung sorge. Die Gesundheitsförderung der Mitarbeiter läge im “ureigenen Interesse” der Arbeitgeber, auch kleinere Firmen täten hierfür inzwischen “sehr viel”.

Das Interview mit Dieter Hundt ist nicht zuletzt als Reaktion auf zwei Meldungen zu sehen, die Anfang Januar 2013 veröffentlicht wurden. Die “Welt am Sonntag” hatte aktuelle Daten der Rentenversicherung publiziert, nach denen die Frühverrentungen wegen psychischer Probleme im letzten Jahrzehnt stark angestiegen waren – im Jahr 2011 erfolgten 41 Prozent aller Frühverrentungen wegen einer psychischen Erkrankung. Psychische Leiden lagen als vorzeitiger Rentengrund damit deutlich vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Fast zeitgleich meldete der “Stressmonitor” des Bundesarbeitsministeriums, dass kleine Unternehmen bisher nur in sehr geringem Maße Burnout-Prävention betreiben. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) attestierte diesen mittelständischen Firmen dafür seinerzeit deshalb “keinen bösen Willen”, sondern “Hilflosigkeit und Unwissen” und spricht sich derzeit auch aus diesem Grund gegen eine entsprechende Überarbeitung der Arbeitsschutzgesetze aus, die von Gesundheits-Experten, Gewerkschaften und auch verschiedenen Politikern aktuell gefordert wird.

Arbeitgeber-Reaktion: Individualisierung und Stigmatisierung

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer widersprechen die Äußerungen des Arbeitgeber-Präsidenten nicht nur den Erkenntnissen der modernen Burnout-Forschung, sondern zielen auf eine erneute Stigmatisierung psychischer Erkrankungen ab, die gerade durch das Burnout-Thema in den letzten Jahren der Tendenz nach aufgehoben wurde. Auch wenn die Initiative für eine gesetzlich vorgeschriebene Burnout-Prävention in Unternehmen durchkommt, prognostizieren wir, dass Sie auch in Zukunft gut beraten sind, wenn Sie die Erhaltung Ihrer körperlichen und seelischen Gesundheit in die eigenen Hände nehmen. In unseren Intensiv-Trainings zur Burnout-Prävention begleiten Sie erfahrene Therapeuten auf den “ersten Schritten” zu einer ausgewogenen Work-Life-Balance.

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Datum: Freitag, 11. Januar 2013 11:02
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