Arbeitsstress – fehlende Balance zwischen Anforderungen und Ressourcen

In der vergangenen Woche hatte Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) in Berlin den “Stressreport 2012” erstmals öffentlich präsentiert. Die Ergebnisse waren alarmierend und wenig überraschend: Rund die Hälfte aller bundesdeutschen Arbeitnehmer fühlt sich im Job dauerhaft zu stark belastet. Als hauptsächliche Gründe nannten die Befragten unter anderem ständigen Termin- und Leistungsdruck, häufige Überstunden sowohl abends als auch am Wochenende, Multitasking sowie die insgesamt fehlende Work-Life-Balance.

Das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” publizierte jetzt ein Interview mit der Psychologin Andrea Lohmann-Haislah, einer der Autorinnen des Stressreports. Im “Spiegel”-Gespräch erklärte sie, welche Faktoren uns besonders stressen, was uns entlastet und was Unternehmen leisten können, um ihre Mitarbeiter vor Burnout und anderen Stresserkrankungen zu schützen.

Ressourcen: Handlungsspielraum, soziale Unterstützung, Kommunikation

Psychisch belastend wird aus Sicht der Stressforscherin Arbeit immer dann, wenn in der Firma dauerhaft mehr gefordert wird, als der Einzelne leisten kann. Hohe Anforderungen allein führten demgegenüber nicht automatisch zu körperlicher, emotionaler und psychischer Erschöpfung. Zur Aufdeckung der Mechanismen, die negativen und langfristig krankmachenden Stress erzeugen, untersuchen Stressforscher die Balance zwischen Anforderungen und Ressourcen. Zu den positiven Ressourcen zählen beispielsweise die Handlungsspielräume, die ein Mitarbeiter hat, soziale Unterstützung durch die Kollegen oder eine gute Kommunikation mit Führungskräften. Wenn Anforderungen und Ressourcen sich nicht die Waage halten, sind die Grundlagen für Stress gegeben.

Einfache, stark reglementierte Tätigkeiten können vor diesem Hintergrund belastender sein als eine anstrengende und herausfordernde Arbeit. Aus dem “Stressreport 2012″ ging beispielsweise hervor, dass Naturwissenschaftler und Ingenieure im Vergleich zu anderen Berufen unter sehr starker psychischer Belastung stehen – trotzdem gaben sie in der Studie die geringsten gesundheitlichen Probleme an. Bei Arbeitnehmern, die in “einfachen Berufen” tätig sind, führen die gleichen Belastungen – also Termindruck, Multitasking oder Zeitdruck – zu einer großen Anzahl von Beschwerden, die unter anderem aus zu wenig Handlungsspielraum und fehlender sozialer Unterstützung resultieren.

Gefährdungsbeurteilung von Arbeitsplätzen – auch für psychische Gefahren

Unternehmen müssen zur Stressvermeidung daher auch auf ein gutes Arbeitsklima und ein insgesamt positives Umfeld achten, dass dem einzelnen Mitarbeiter Spielraum lässt. Eine Gefährdungsbeurteilung von Arbeitsplätzen ist in Paragraph 5 des bestehenden Arbeitsschutzgesetzes vorgeschrieben – in der modernen Arbeitswelt muss es dabei nicht nur um körperliche, sondern auch um psychische Gefahren gehen. Andrea Lohmann-Haislah geht es dabei um “menschengerechte Arbeitsabläufe”, die den Mitarbeitern auch die Chance bieten, in ihren Tätigkeiten Sinn zu finden und mit ihren Erfahrungen und Fähigkeiten konstruktiv präsent zu sein.

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Datum: Freitag, 8. Februar 2013 11:55
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