Arbeitsstress und mangelnde Kontrolle erhöhen Herzinfarkt-Risiko

Der Zusammenhang von Stress und Burnout ist derzeit vor allem im Zusammenhang mit den psychischen Folgen der chronischen Überlastung in der öffentlichen Diskussion. Eine aktuelle Studie eines Forscher-Teams vom University College London lenkt jetzt die Aufmerksamkeit auf die körperliche Dimension von Stress – die grundlegende Problematik ist dabei identisch mit dem Risiko, an einem Burnout zu erkranken. Die Ergebnisse wurden jetzt im Wissenschaftsjournal “Lancet” publiziert.

Nach den Erkenntnissen der Wissenschaftler tragen Beschäftigte mit hoher Arbeitsbelastung, monotonen Arbeitsabläufen und kaum oder wenig Kontrolle über ihre Tätigkeit ein um über 20 Prozent höheres Herzinfarkt-Risiko als Angehörige anderer Berufe. Die Daten für die Studie stammen aus 13 weiteren Analysen in sieben europäischen Ländern und wurden in den Jahren 1985 bis 2006 erhoben. Die aktuelle Untersuchung wertet Zahlenmaterial von über 200.000 Probanden aus, die in den diversen Erhebungen über durchschnittlich 7,5 Jahre begleitet wurden.

Vier Prozent aller Herzinfarkte sind bei positiver Stressbewältigung vermeidbar

Rund 15 Prozent der Studien-Teilnehmer bestätigten mit ihren Angaben das Stress-Modell. An ihren Arbeitsplätzen bewältigten sie ein hohes Arbeitspensum, hatten kaum Kontrolle über ihren Arbeitsablauf und wenig bis keinen Zugang zu Weiterbildungsmöglichkeiten. Ihr Herzinfarkt-Risiko erwies sich auch nach Heraus-Rechnung anderer Faktoren wie beispielsweise Alter, Geschlecht und Rauchen um 23 Prozent erhöht. Zu Beginn der Studien waren die Befragten jeweils in einem Arbeitsverhältnis tätig und körperlich – insbesondere im Hinblick auf Herzerkrankungen – gesund. Im Untersuchungszeitraum erkrankten später insgesamt 2.358 Teilnehmer an koronaren Herzkrankheiten. Bei positiver Veränderung der berufsbedingten Stressbelastung hätten rund vier Prozent davon vermieden werden können.

Fehlende Studien-Kausalität von Stress und Herzinfarkt – für die Praxis wenig relevant

Die Qualität der Analyse wird auch von unabhängigen Forschern nicht bestritten. Aus Expertensicht werde jedoch damit der Zusammenhang zwischen Stress und Herzinfarkt nicht direkt und kausal nachgewiesen, zudem seien durch eine rauchfreie Gesellschaft mit rund 36 Prozent deutlich mehr Herzinfarkte vermeidbar als durch die Reduktion von Arbeitsstress.

Die Gesundheitsakademie Schmidbauer hält diese Argumentation allerdings außerhalb der Forschungs-Debatte für wenig praxistauglich. Stress hat immer sowohl körperliche als auch seelische Folgen, ein Burnout macht uns in beiden Dimensionen krank und bildet oft auch den Hintergrund für einen intensiven Konsum von Nikotin, Alkohol und anderen “Aufputschmitteln”. In unseren Intensivtrainings zur Burnout-Therapie und -Prävention erarbeiten wir zusammen mit Ihnen eine individuelle Strategie zur Überwindung äußerer und innerer Stressoren und gegebenenfalls auch von stressbedingten Süchten.

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Datum: Mittwoch, 19. September 2012 10:23
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