Ärzte sind trotz hohen Burnout-Risikos mit ihrem Job zufrieden

Ärzte sind nicht nur als Experten mit der Burnout-Problematik konfrontiert, sondern leiden ebenfalls unter zu hoher Belastung durch die Arbeit. Ein US-amerikanisches Forscher-Team befragte 7.288 Mediziner aller Fachgebiete anhand des “Maslach Burnout Inventory” – das Ergebnis zeigt, dass viele Ärzte dauerhaft am Burnout-Limit leben. Die Ergebnisse der Untersuchung decken sich weitgehend mit einer Studie der Sächsischen Landesärztekammer aus dem Jahr 2008. Trotzdem sind Ärzte in beiden Ländern mit ihrem Job überwiegend sehr zufrieden – vielleicht ein wichtiger Aspekt ihrer individuellen Burnout-Prävention.

Das “Maslach Burnout Inventory” ist ein Katalog mit insgesamt 22 Fragen, der 1981 von den US-amerikanischen Psychologinnen Christina Maslach und Susan E. Jackson entwickelt wurde und bis heute ein Standardinstrument zur Burnout-Diagnose sowie der Beurteilung des individuellen Burnout-Risikos ist. Abgefragt werden unter anderem Indikatoren für psychische und emotionale Erschöpfung, “Depersonalisierung” sowie Fakten zur persönlichen Belastung.

US-amerikanische Ärzte – überdurchschnittliches Burnout-Risiko

48 Prozent der befragten US-amerikanischen Ärzte litten unter mindestens einem manifesten Burnout-Symptom. 38 Prozent der Probanden gaben “starke emotionale Erschöpfung” an, 29 Prozent empfanden “Depersonalisierung”, rund zwölf Prozent litten unter deutlich verminderter Leistungsfähigkeit sowie Erschöpfung Über eine negative Balance zwischen Arbeit und Privatem klagten 27 Prozent der Mediziner. Notfall-Mediziner wiesen mit 65 Prozent die höchsten Raten an Burnout-Symptomen auf, Hausärzte, Internisten und Neurologen waren zu jeweils 50 Prozent betroffen. Dermatologen zeigten sich dagegen mit einer Symptom-Quote von nur 30 Prozent als recht Burnout-resistent.

In einer Kontrollstudie verglichen die Wissenschaftler die Daten von 6.179 Ärzten mit den Befragungs-Ergebnissen von 3.442 Vertretern anderer Berufe – hier litten 38 Prozent der Ärzte an Burnout-Symptomen, in der Kontrollgruppe waren nur 28 Prozent betroffen. Gleichzeitig arbeiteten die Ärzte mit durchschnittlich 50 Wochenstunden deutlich mehr als Beschäftigte in anderen Branchen, die es im Schnitt auf 40 Wochenstunden brachten. Über die fehlende Work-Life-Balance klagten 40 Prozent der Mediziner, jedoch nur 23,2 Prozent der anderen Befragten.

Das Forscherteam der Mayo Clinic bezeichnete die Ergebnisse der Studie als “alarmierend” und mahnte strukturelle Veränderung des US-amerikanischen Gesundheitswesens an, wenn die Burnout-Problematik der Ärzte langfristig nicht die Versorgungsqualität der Patienten gefährden soll.

Deutsche Ärzte – vergleichbar hohe Arbeits-und Burnout-Belastung

Zu interessanten Resultaten kam auch die Ärzte-Studie aus Sachsen. Hier wurden 2.500 Ärztinnen und Ärzte zu ihrem Arbeitsalltag und gesundheitlichen Problemen befragt – aus Sicht der Landesärztekammer ist ihre Situation repräsentativ für den Arztberuf in Deutschland insgesamt. Burnout-Symptome wurden hier von 50 Prozent der Neurologen und Psychiater angegeben und 42 respektive 43 Prozent der Allgemeinmediziner und Internisten angegeben. Die wöchentliche Arbeitszeit betrug bei Ärztinnen rund 50 Stunden, bei ihren männlichen Kollegen etwa 55 Stunden.

95 Prozent der Ärzte arbeiten auch außerhalb der regulären Arbeitszeit sowie im Urlaub. Ihre Arbeitsbelastung bewerteten alle Befragten als hoch bis sehr hoch. Die Anzahl klinisch relevanter Burnout-Fälle lag dagegen bei fast allen befragten Fachrichtungen unter fünf Prozent, Spitzenreiter waren auch hier Neurologen und Psychiater mit einer sechsprozentigen Burnout-Quote. Im Hinblick auf allgemeine Stressfolgen unterschieden sich die deutschen Ärzte kaum von anderen Berufen. Mit ihrer Arbeit – allerdings nicht mit ihren Gehältern – waren die meisten von ihnen überdurchschnittlich zufrieden.

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Datum: Mittwoch, 29. August 2012 11:56
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