Betriebs- und Werksärzte: Stärkerer Fokus auf psychischer Gesundheit

Von Donnerstag bis Samstag dieser Woche tagt in Weimar der deutsche Betriebs- und Werksärzte-Kongress. Im Vorfeld lieferte eine aktuelle Studie neue Zahlen zur beruflichen Überlastung von Arbeitnehmern und deren Folgen im beruflichen und privaten Alltag. Sie wurde vom Verband der Betriebs- und Werksärzte beauftragt und heute in Berlin erstmals präsentiert.

Für die Erhebung befragte das Nürnberger Marktforschungsinstitut GfK in einer nicht-repräsentativen Online-Umfrage Mitte Oktober 240 Arbeitnehmer aus verschiedenen Branchen und Berufen. Das Resultat: Nicht nur die Beschäftigten leiden unter Dauerstress und Burnout-Gefährdung, auch die Betriebe werden dadurch in ihren Arbeitsabläufen und ihrer Effizienz belastet.

Knapp 40 Prozent der Arbeitnehmer leiden unter Stress und seelischen Problemen

Knapp 30 Prozent der Befragten gaben an, dass sie gelegentlich oder permanent nicht in der Lage wären, ihre Arbeit “so sorgfältig wie gewünscht” zu tun. Die Ursachen dafür finden sich in seelischen oder emotionalen Problemen, unter denen 34 Prozent der Interviewten zumindest manchmal leiden. Als davon im Beruf völlig unbelastet beschrieben sich lediglich 37 Prozent der Probanden. Der Arbeitsstress wirkt sich natürlich auch im privaten Leben aus – 39 Prozent der Studienteilnehmer waren davon in einem Maß betroffen, dass sie wegen ihrer beruflichen Belastung ihre privaten Pflichten nicht oder kaum noch erfüllen können.

GfK-Studie wirft ein Schlaglicht auf die Arbeitswelt in Deutschland

Verbands-Präsident Wolfgang Panter kommentierte, dass die Erhebung ein Schlaglicht auf die Arbeitswelt in Deutschland werfe. Er forderte die Chefs in den Unternehmen auf, auf ihre Mitarbeiter “sensibler zuzugehen” und sie bei einem drohenden Burnout zu unterstützen. Für Betriebsärzte sei die Zunahme psychischer Erkrankungen inzwischen zu einer Herausforderung geworden, für die nachhaltige Lösungen innerhalb der Firmen gefragt sind. Wichtig sei für diese eine “gesamte Kette”, die Prävention, Früherkennung, Therapie und Rehabilitation respektive die betriebliche Wiedereingliederung der Betroffenen umfasse.

Insgesamt steigen in Deutschland pro Jahr rund 170.000 Arbeitnehmer wegen gravierender gesundheitlicher Störungen vorzeitig aus dem Arbeitsleben aus oder reduzieren ihre Arbeitszeit. Frühverrentungen wegen psychischer oder psychosomatischer Beschwerden betreffen jährlich 70.000 Menschen. Die Betriebsärzte wollen deshalb in Zukunft Fragen der psychischen Gesundheit stärker in den Fokus ihrer Arbeit stellen. Panter betonte in seinem Statement allerdings, dass Arbeit nicht nur krank mache, sondern – unter den richtigen Bedingungen – die Menschen auch gesund erhalten und vielen in ihrem Leben einen wichtigen sozialen Anker bieten könne.

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Datum: Mittwoch, 24. Oktober 2012 11:17
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