BKK-Report: Anstieg der Krankschreibungen wegen Burnout um den Faktor 19

Gestern legte der Bundesverbrand der Betriebskrankenkassen (BKK) aktuelle Zahlen zur Burnout-Problematik vor. Die Zahl der Krankschreibungen wegen Burnout ist demnach in den letzten sieben Jahren um den Faktor 19 angestiegen. Für seine Analysen wertete der Verband die Daten von rund 4,8 Millionen bei den BKK pflichtversicherter Patienten aus. Die Zahlen der BKK werden als repräsentativ für die deutsche Wohnbevölkerung betrachtet.

Burnout – in der Praxis längst eine eigenständige Erkrankung

Als Burnout-Kriterium zog der BKK-Verband den IDC-Schlüssel Z73 heran, der das Syndrom über “Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung” definiert. In der international gültigen Klassifikation der Krankheiten durch die WHO (IDC-10) ist Burnout bisher nicht als eigenständige Krankheit/Behandlungsdiagnose definiert, sondern gilt lediglich als eine Zusatzdiagnose. Die BKK-Zahlen und zahlreiche andere wissenschaftliche/statistische Erhebungen zum Thema Burnout verweisen auch darauf, dass die IDC-Klassifikation in Bezug auf dieses Thema dringend einer Überarbeitung bedarf: Trotz vieler individueller Krankheitsbilder zeigt das Burnout-Syndrom einen typischen Verlauf von allgemeinen Stress-Symptomen und chronischer Erschöpfung über Sinnverlust und “Depersonalisierung” bis zur expliziten Erschöpfungsdepression. In “Ursache und Wirkung” unterscheidet es sich darin von anderen Krankheitsbildern.

Psychische Erkrankungen – auf Platz Drei in der BKK-Statistik

Insgesamt sind die Fehltage wegen psychischer Probleme in den ersten drei Quartalen 2012 um zehn Prozent gestiegen. Der BKK-Verband kommentierte, dass keine andere Krankheitsform derart dynamische Steigerungsraten zeige. Von allen Beschäftigten, die bei einer BKK versichert sind, fehlten von Januar bis September 2012 4,2 Prozent krankheitsbeding an ihrem Arbeitsplatz. Erkrankungen des Bewegungsapparates verursachten mit 26 Prozent den höchsten Krankenstand. Den zweiten Platz belegen Atemwegserkrankungen mit 14 Prozent. Psychische Erkrankungen sind mit 13 Prozent zum ersten Mal auf den dritten Rang der BKK-Statistik aufgestiegen.

Zwei Drittel aller Fehlzeiten entfallen auf kurze Krankschreibungen von bis zu einer Woche, stehen aber insgesamt nur für 17 Prozent aller erfassten Krankheitsfälle. Zwar werden nur rund vier Prozent aller Patienten für mehr als sechs Wochen krankgeschrieben, jedoch entfällt auf sie mit 47 Prozent fast die Hälfte aller Krankheitstage. Frühere Erhebungen des Bundesarbeitsministeriums, des BKK-Verbandes und verschiedener anderer Krankenkassen wiesen aus, dass Krankschreibungen wegen psychischer Erkrankungen – also inklusive Burnout – mit durchschnittlich 37 Tagen im Vergleich zu allen anderen Krankheitsbildern am längsten dauern. Im Gesamtvergleich wurden die Patienten für rund 13 Kalendertage krankgeschrieben.

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Datum: Mittwoch, 12. Dezember 2012 11:35
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