Bundesratsinitiative für die Antistress-Verordnung

Die von den Gewerkschaften geforderte gesetzliche Anti-Stress-Verordnung als Ergänzung zu den bestehenden Arbeitsschutzgesetzen sorgt seit Monaten für politische und mediale Kontroversen. Diverse Studien – unter anderem die Fehlzeiten-Reports der Krankenkassen – belegen eindeutig den Zusammenhang zwischen den Belastungen der Arbeitswelt, Stress sowie Burnout & Co. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen findet, dass das Arbeitsschutzgesetz für eine wirksame Burnout-Prävention nur angewendet werden muss, aber keine Ergänzung braucht. Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt verortet die wesentlichen Burnout-Gründe dagegen vor allem im privaten Leben der betroffenen Arbeitnehmer.

Die SPD-geführten oder rot-grün regierten Bundesländer Bremen, Brandenburg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen planen jetzt, die Antistress-Verordnung durch eine gemeinsame Bundesratsinitiative auf den Weg zu bringen. Der Bremer Senat will den Entwurf dafür am 9. April 2013 beschließen. Im DAK-Gesundheitsreport 2013 liegt der Stadtstaat Bremen im Hinblick auf psychische Erkrankungen über dem bundesweiten Durchschnitt: 16,6 Prozent aller krankheitsbedingten Fehltage in Bremen sind darauf zurückzuführen, ihre Bedeutung hat sich damit seit 2002 verdoppelt.

Angemessener Freizeitausgleich für Überstunden und Erreichbarkeit

Der Entwurf der Antistress-Verordnung in der Bremer Lesart berührt Fragen wie ständige Erreichbarkeit und Multitasking. Das Papier sieht unter anderem vor, diese Belastungen durch für die Unternehmen gesetzlich verbindliche Regelungen auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Überstunden sollen ebenso wie die Erreichbarkeit zu Hause durch einen angemessenen Freizeitausgleich abgegolten werden.

Abschaffung von Großraumbüros und Abschaltung von E-Mail-Servern?

Der Sozialpsychologe Rolf van Dick von der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt kommentierte – übrigens positiv und auch auf Basis seiner eigenen Forschung – dass die entsprechenden Regelungen zur temporären Abschaltung von Firmen-Handys und E-Mail-Servern sowie zur Abschaffung von Großraum-Büros führe könnten. Aus seiner Sicht haben heute auch viele Unternehmen die Notwendigkeit einer wirksamen Burnout-Prävention erkannt – die volkswirtschaftlichen Kosten der arbeitsbedingten chronischen Erschöpfung sorgen inzwischen für ein spürbares Minus an Ressourcen. Der überwiegende Teil der Präventionsangebote setze allerdings bei individuellen Faktoren und Verhaltensweisen an, strukturelle Probleme wie Arbeitsverdichtung oder Leistungsdruck werden dadurch nicht geändert.

Der Bremer Entwurf zur Antistress-Verordnung sieht außerdem regelmäßige Kontrollen durch die Arbeitsschutzbehörden sowie Gefährdungsanalysen der psychischen Belastung an den einzelnen Arbeitsplätzen durch die Betriebe vor.

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Datum: Freitag, 29. März 2013 11:39
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