Bundesratsinitiative zu gesetzlich vorgeschriebener Burnout-Prävention in Unternehmen

Die deutschen Arbeitsschutzgesetze haben bisher vor allem Schutzfunktionen bei schweren körperlichen Arbeiten im Blick, ihr Kern zielt auf den klassischen “Malocher”, den es so nur noch in wenigen Branchen und Betrieben gibt. In der modernen Arbeitswelt sind oft die psychischen Belastungen am Arbeitsplatz das Hauptproblem. Durch eine Bundesratsinitiative mehrerer Bundesländer soll das Arbeitsschutzgesetz nun im Hinblick auf die seelische Gesundheit der Arbeitnehmer erweitert werden.

Die Gesetzesinitiative wurde in der vergangenen Woche durch die SPD-regierten Länder Bremen, Brandenburg, Hamburg und Nordrhein-Westfalen auf den Weg gebracht. Es geht dabei um konkrete und gesetzlich abgesicherte Vorgaben für die Arbeitgeber zur Burnout-Prävention und Stress-Vermeidung.

Bestehende Arbeitsschutzgesetze reichen zur Burnout-Prävention nicht aus

Der erste Entwurf des Zusatzes zum Arbeitsschutzgesetz sieht vor, dass die Unternehmen das jeweilige Arbeitsumfeld auf psychische Belastungen prüfen müssen. Anhand von Fragebögen wird dabei eine Einschätzung des Burnout-Risikos der Arbeitnehmer vorgenommen. Bei kritischen Konstellationen müssen konkrete Maßnahmen zur Reduktion der psychischen Belastung folgen. Ob die Bundesratsinitiative der vier Länder zur verbindlichen Gesetzesvorlage wird, entscheidet sich Ende November 2012 auf der Konferenz der Arbeits- und Sozialminister aller Bundesländer.

Der Vorstoß der vier SPD-regierten Länder geht über den bisherigen Ansatz des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales hinaus. Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) geht bisher davon aus, dass die bestehenden Arbeitsschutzgesetze bei “richtiger Anwendung” auch den Umgang mit psychisch belastenden Faktoren am Arbeitsplatz umfassen. Ihr Ministerium arbeitet zwar an einer “Leitlinie Beratung und Überwachung zu psychischer Belastung”, die künftig die Arbeit der Gewerbeaufsichtsämter entsprechend steuern soll. Die Ämter sind jedoch meist schon aus personellen Gründen nicht in der Lage, psychische Faktoren in ihre Kontrollen einzubeziehen.

Individuelle Burnout-Prävention muss gesetzliche Anti-Burnout-Standards ergänzen

Vor allem in diesem Jahr sind die Burnout-Risiken am Arbeitsplatz immer stärker in die öffentliche Diskussion geraten. Krankenkassen, Betriebsärzte und die Bundespsychotherapeutenkammer legten in den vergangenen Monaten immer wieder Daten vor, die durch die hohe Zahl und steigende Tendenz arbeitsbedingter psychischer Erkrankungen alarmieren. Burnout & Co. verursachen nach einer Schätzung des Bundesverbandes der Betriebskrankenkassen inzwischen pro Jahr einen volkswirtschaftlichen Schaden von rund sieben Milliarden Euro.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer dürfen wir nicht nur darauf gespannt sein, ob die betriebliche Burnout-Prävention demnächst tatsächlich Gesetzeskraft erlangt, sondern auch, wie entsprechende Gesetze im Firmenalltag tatsächlich wirken. Die Entwicklung eines Burnouts ist ein schleichender Prozess, in dem viele Faktoren eine Rolle spielen. Betriebliche Anforderungen beispielsweise im Hinblick auf Überstunden oder die Erreichbarkeit auch außerhalb der Arbeitszeit spielen dabei ebenso eine Rolle wie Führungsstile, Unternehmenskulturen sowie die subjektiven Leistungs-Kriterien der Arbeitnehmer selbst. Ein verbindlicher gesetzlicher Schutz vor zu großen psychischen Belastungen ist wichtig und schafft idealerweise einen Standard für alle Unternehmen. Ebenso wichtig ist jedoch eine individuelle Burnout-Prävention durch die bewusste Reflexion der eigenen Work-Life-Balance und entsprechende persönliche Verhaltensänderungen. Mit ihren Trainingsangeboten zur aktiven Burnout-Prävention möchte die Gesundheitsakademie Schmidbauer auch für diese Seite der Medaille sensibilisieren.

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Datum: Montag, 5. November 2012 11:29
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