Burn-Out kann jeden treffen

Das Burn-out-Syndrom kann jeden treffen. Es kommt nicht von heute auf morgen, sondern entwickelt sich langsam, manchmal über Jahre. Wohl jeder von uns hat zumindest die Anfangsphasen schon einmal erlebt. Ignorieren wir dann die Warnzeichen, kann das am Ende zu existenzieller Verzweiflung führen. In dieser letzten Phase sind die Symptome eines Burn-outs nicht mehr von denen einer Depression zu unterscheiden. Die Übergänge zwischen beiden Leiden sind fließend.

Burn-out wird häufig als Phänomen der beruflich Erfolgreichen dargestellt. Eine chronische Erschöpfung von Menschen, die von sich nicht mehr und nicht weniger verlangen, als Weltmeister ihrer Disziplin zu werden. Ist Burn-out-Syndrom also nur ein Modewort, mit dem ich mich aus der Durchschnittlichkeit heraushebe in die Liga der Karrieretypen und mit dessen Hilfe ich mir bei Bedarf eine gesellschaftlich akzeptierte Auszeit verschaffe? Die Wirklichkeit ist viel komplexer. Denn ein Burn-out-Syndrom muss nicht immer etwas mit dem Beruf zu tun haben – auch das Privat- und Familienleben kann zu dieser völligen Erschöpfung führen. Und es hat seine Ursache auch nicht unbedingt und ausschließlich in unzumutbaren äußeren Bedingungen, sondern vermutlich ebenso in uns selbst und unseren unrealistischen Erwartungen.

Ob jemand irgendwann völlig erschöpft ist oder nicht, kann an inneren oder äußeren Faktoren liegen – oder an einer Kombination aus beiden. Zu den äußeren Risikofaktoren gehören Mobbing, Rollenkonflikte, unklare Hierarchien und Ziele, permanenter Zeitdruck sowie mangelnde Autonomie und ein schlechtes Betriebsklima. Auch Zäsuren im Leben können ein Auslöser sein. Dabei muss es sich nicht um eine Trennung, den Tod eines geliebten Menschen oder den Verlust des Arbeitsplatzes handeln. Freudige Ereignisse können genauso ein Burn-out-Syndrom verursachen: die Geburt eines Kindes, der erste Job nach dem Studium, die Beförderung, die aus dem Ingenieur einen Projektleiter macht. Denn immer, wenn sich etwas ändert, verknüpfen wir damit Erwartungen, die enttäuscht werden können. Wir stürzen uns in das tolle neue Projekt, bis wir vielleicht feststellen, dass es uns mit hohen Anforderungen belastet, die versprochene Unterstützung aber ausbleibt. Oder dass uns die Beförderung Aufgaben aufhalst, die uns nicht liegen, und uns wegbringt von dem, was wir lieben. Irgendwann fühlen wir uns in der Falle. Wir können den Job nicht hinschmeißen, weil wir eine Familie ernähren müssen. Oder wir stellen fest, den falschen Beruf gewählt zu haben, und wissen nicht, wie wir das ändern sollen.

Ob eine bestimmte Situation zu einem Burn-out-Syndrom führt oder nicht, hängt auch von der Stressresistenz und der Verwundbarkeit des Einzelnen ab. Burn-out trifft vor allem die Männer und Frauen, die von ihrem Leben etwas Besonderes erwarten und dabei an Projekten scheitern, die der Welt etwas beweisen sollen. Ob das Syndrom eher Frauen oder Männer befällt, ist nicht erforscht. Allerdings stellt das meist weibliche Bedürfnis nach Harmonie einen weiteren Risikofaktor dar.

Haben Sie noch weitere Fragen zu diesem Thema? Wenden Sie sich an die Gesundheitsakademie Schmidbauer.

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Datum: Donnerstag, 19. Dezember 2013 12:31
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