Burnout-Bewältigung durch individuelle Handlungsräume

Vorträge und Diskussionen zum Thema Burnout stehen auch immer öfter auf der Agenda direkt berufsbezogener Veranstaltungen und Kongresse. Die Jahreshauptversammlung der evangelischen Diakonie in Unterfranken in Bad Neustadt an der Saale stand sogar vollständig unter dem Motto “Burnout und Bewältigung”. Das Expertenreferat hielt Dr. Lothar Schattenburg, der Leitende Psychologen der Psychosomatischen Klinik in Bad Neustadt.

In seiner Arbeit widmet sich Dr. Schattenburg seit langem der Therapie von Burnout-Patienten. In seinem Vortrag ging es um allgemeine Ursachen und Auslöser der Krankheit. Der Experte sieht das Burnout-Syndrom dabei zwar nicht als ein Massen-Phänomen oder “psychosoziale Epidemie des 21. Jahrhunderts”, wie es durch entsprechende Medien-Berichte gern vermittelt wird, aber auf jeden Fall als ein ernstzunehmendes gesundheitliches Problem, dessen Wurzeln sowohl im Berufsleben als auch im Privaten liegen. In aktuellen epidemiologischen Studien des Robert-Koch-Instituts gaben immerhin 4,2 Prozent der Befragten eine Burnout-Diagnose an.

Burnout-Prävention durch Reaktivierung “verschütteter Handlungskompetenzen”

Dr. Schattenburg stellte in seinem Experten-Referat zwei Themen in den Vordergrund. Zum einen ging es um die Überschneidung der chronischen Erschöpfung mit anderen psychischen Erkrankungen, etwa Angststörungen oder Depressionen, sowie körperlichen Leiden, zum anderen um das Zusammentreffen von äußeren Stressoren, fehlender Work-Life-Balance mit “ungünstigen Persönlichkeitseigenschaften” wie Perfektionismus, erhöhter “Verausgabungsbereitschaft” oder einem Weltbild, in dem persönliche Fehler oder Schwächen nicht vorgesehen sind. Zur Prävention und Therapie von Burnout in den unterschiedlichen Krankheitsphasen stellte er vor allem auf die Reaktivierung “verschütteter Handlungskompetenzen” ab. Durch psychologische Kompetenz sei es auf dieser Basis möglich, den Burnout-Prozess bereits frühzeitig zu stoppen.

Handlungskompetenz: Von “Nein sagen” bis Richtungswechsel

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer kommt mit den “verschütteten Handlungskompetenzen” ein sehr zentraler Punkt zur Sprache, der potentiell in einen Burnout führen kann. Im Kern geht es dabei um ein normatives – und letztlich “fremdgesteuertes” – Lebens- und Verhaltensmuster sowie innere Blockaden. Das Wiedergewinnen von Handlungskompetenz kann sich dabei in sehr unterschiedlichen Dimensionen äußern: “Nein sagen”, wenn der Chef regelmäßig Mehrarbeit erwartet, Kompetenz im Umgang mit den neuen digitalen Arbeitsmitteln – Stichwort: Ständige Erreichbarkeit per Telefon und E-Mail – eine positive Sicht auf den Sinn und Wert der eigenen Arbeit und gegebenenfalls eben auch der Mut zu einem Wechsel.

Diesen und anderen Anforderungen des modernen Arbeitslebens stehen oft traditionelle Werte – Pflichtbewusstsein, Loyalität oder auch eine zeitgebundene Definition von Leistung – entgegen. Hinzu kommen oft persönliche Ängste – vor Veränderungen, dem Verlust von Status, Karrieremöglichkeiten oder auch dem Verlust des Arbeitsplatzes – oder das Gefühl, den Anforderungen in Firma und Familie nicht gerecht zu werden. In unseren Intensiv-Trainings zur Burnout-Prävention geht es nicht zuletzt um das Definieren Ihrer persönlichen Handlungsräume als Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Leben ohne Burnout.

Autor:
Datum: Dienstag, 2. April 2013 11:59
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Burnout-Syndrom

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben