Burnout durch permanente Bewertung und Bewährung im Arbeitsumfeld

Die ZDF-Sendung “Frontal 21″ thematisierte in einem aktuellen Beitrag jetzt die Burnout-Problematik. Kritisch sahen die TV-Journalisten vor allem das System permanenter Bewertung und Bewährung, das sich auf dem Arbeitsmarkt in Deutschland in den letzten Jahren etabliert hat. Hinzu komme in vielen Unternehmen dauerhafte Mehrarbeit sowie die Anforderung ständiger Erreichbarkeit auch außerhalb der regulären Arbeitszeit. Besonders in großen Unternehmen seien die Mitarbeiter dem Druck durch die Kopplung dieser beiden Faktoren oft nicht mehr gewachsen – bei vielen führe der Dauerstress direkt in einen Burnout.

Negatives Bespiel – das Bewertungssystem von Microsoft

Als negatives Beispiel, das allerdings exemplarisch für viele andere Unternehmen in- und außerhalb der IT-Branche steht, beschäftigte sich die Sendung mit dem Arbeitsalltag in der deutschen Microsoft-Zentrale, wo sich der Krankenstand seit 2008 nahezu verdoppelt hat. Als problematisch erweise sich hier vor allem das “harte Bewertungssystem” des Unternehmens, das seine Mitarbeiter kaum als Menschen, sondern als “Ressourcen” sehe und ein ohnehin fragwürdiges System in seiner Praxis auf die Spitze treibe.

Das Schulnoten-System zwinge die Mitarbeiter dauerhaft, gegeneinander zu konkurrieren, gleichzeitig ist ein bestimmter Anteil negativer Bewertungen vorgeschrieben. Microsoft-Betriebsrat Thomas Radermacher wertete in der Sendung das System als “menschenverachtend”.

“Stacking” – destruktiver Prozess und Burnout-Treiber

Die Bewertungspraxis bei Microsoft war zuvor auch schon in den USA in die Kritik geraten. Das Magazin “Vanity Fair” veröffentlichte in seiner August-Ausgabe einen Artikel des US-amerikanischen Starautors Kurt Eichenwald, der sich mit dem Niedergang Microsofts im vergangenen Jahrzehnt beschäftigt. Das sogenannte “Stacking” erscheine vor diesem Hintergrund als einer der “destruktivsten Prozesse” in der Kultur des Unternehmens. Microsoft-CEO Steve Ballmer schrieb damit vor, dass in jedem Team ein fester Anteil der Mitarbeiter als “Top-Performer” zu bewerten sei, ebenso sind seitdem fixe Quoten für gute, durchschnittliche oder schlechte Ratings vorgeschrieben. In der Folge konzentrieren sich die Beschäftigten bei Microsoft mehr darauf, das “interne Rennen” zu gewinnen als auf ihre eigentliche Arbeit.

Dass ein permanenter innerer Wettbewerb massiven psychischen Druck erzeugt, positive soziale Beziehungen am Arbeitsplatz verhindert und auf lange Sicht zum Burnout führt, haben zahlreiche unabhängige Studien für verschiedene Branchen und Unternehmen bewiesen. Offen ist die Frage, wann und ob diese Botschaft auch in den Führungsetagen vor allem internationaler Konzerne ankommt und dort ein Umdenken und positive Veränderungen für die Mitarbeiter auf den Weg bringt.

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Datum: Freitag, 31. August 2012 10:38
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