Burnout-Kongress: Leistungskonditionierung mit Folgen für Psyche und soziales Selbstbild

Seinen Vortrag auf dem jährlichen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Psychologie (DGMP) begann der Neurobiologe Gerald Hüther mit einer Geschichte über Lachse: Bei den Fischen aktivieren Sexualhormone ein inneres Programm, das die Tiere flussaufwärts an die Orte ihrer Kindheit respektive ihre Paarungsorte treibt. Drei Tage später haben sie ihr evolutionäres Programm erfüllt und sterben.

Hüther schlug von dort aus einen direkten Bogen zum Thema des Kongresses, der in diesem Jahr unter dem Motto “Burnout? Burn on!” steht – in seinem Beispiel erleiden auch die Lachse auf ihrer Paarungswanderung einen Burnout, da dieses Programm extremen Stress erzeugt und es an ihrem Ziel keine angemessenen Lebensbedingungen mehr gibt. Menschen, die sich auf einen Burnout zubewegen, erleiden im Kern das gleiche Drama – zu viel Leistungswillen, Überforderung und Orientierung an den Wünschen anderer. Für den Wissenschaftler ergab sich daraus die Frage, nach den inneren – evolutionären – Gründen, aus denen Menschen glauben, nur dann “vollwertig” zu sein, wenn sie so viel wie möglich leisten.

Menschliche Grundbedürfnisse – zwischen sozialer Integration und Selbstbestimmung

Der Neurobiologe verortete diesen in den Erfahrungen, die ein Mensch seit seiner frühesten Kindheit und sogar vorgeburtlich sammelt und die insgesamt die “Formung” seines Gehirns bedingen. Noch im Mutterleib entstehen beispielsweise die Grundbedürfnisse nach Verbundenheit und einem persönlich autonomen Leben. Durch soziales Lernen erweitert sich später diese Basis – unter anderem erfahren wir dabei, dass wir mit unserem autonomen Denken, Fühlen und Verhalten “eigentlich nicht ganz richtig” sind und nur dann “dazugehören” dürfen, wenn wir die Werte anderer übernehmen. Hierzulande geht es dabei in erster Linie um die erbrachte Leistung. Kinder lernen und verinnerlichen vom ersten Schultag an, dass für das eigene Vorankommen im Leben nur die Leistung zählt – und bei Nichterbringen der soziale Ausschluss droht.

Aus Sicht von Hüther ist dieser innere Zusammenhang von Leistungsforderung und erwarteten Sanktionen für das Gehirn auf Dauer unerträglich – es passe sich daran unter anderem durch die Hemmung der Schmerzwahrnehmung an. Gleichzeitig glauben die Betroffenen, dass sie “sozialen Schmerz” nur dann vermeiden, wenn sie ihre Leistung maximieren. Als Folge nehmen die potentiellen Burnout-Opfer die Warnsignale ihres Körpers und/oder ihrer Seele nicht mehr wahr, sondern funktionieren – wie die Lachse – hemmungslos, ohne Pausen und bis zum endgültigen Zusammenbruch. Da die Erfüllung der Grundbedürfnisse nach sozialer Integration und Selbstbestimmung offen bleibt, setzen sie auf Ersatzbefriedigungen – Karriere, Status, Geld – die ihren Zweck allerdings nicht mehr erfüllen, wenn der Sinn der Arbeit selbst in Frage steht.

Positive private Refugien verhindern Burnout

Einen wichtigen Lösungsansatz sieht Hüther in der Unterstützung durch den Partner oder gute Freunde, die dafür sorgen, dass ein positives privates Refugium erhalten bleibt. Auch moderne Burnout-Therapien orientieren auf das Wiedergewinnen privaten Raums und privater Interessen. Im Kern gehe es um die Herausbildung einer gesünderen inneren Haltung, die darauf hinausläuft, dass Leistung, Arbeit ihre Bedeutung zwar zu Recht besitzen, jedoch nicht wichtiger sind als die persönlichen Quellen für Leistungskraft und innere Stärke.

Die Burnout-Experten der Gesundheitsakademie Schmidbauer vertreten den gleichen Ansatz wie der Wissenschaftler – das Wiedergewinnen von Work-Life-Balance, ein funktionierendes privates Netzwerk, Erholungspausen und Raum für persönliche Interessen und die eigene Kreativität bilden die Grundlage für jede Burnout-Therapie. In unseren Intensivtrainings erarbeiten wir gemeinsam Ihr persönlich maßgeschneidertes Programm gegen Dauerstress und Burnout.

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Datum: Mittwoch, 26. September 2012 11:13
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