Burnout und Depressionen – wo liegt der Unterschied?

Eine der kontroversen Punkte der aktuellen Burnout-Debatte ist die Frage, ob Burnout überhaupt eine “echte” Krankheit ist. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert die chronische Erschöpfung bisher als eine Zusatzdiagnose, die auf “Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung” abzielt, behandlungsrelevant wird sie erst dann, wenn Betroffene auch unter anderen Erkrankungen – beispielsweise psychosomatischen Symptomen oder Depressionen – leiden. In offiziellen Statistiken wird Burnout nicht als separates Krankheitsbild, sondern zusammen mit verschiedenen anderen psychischen Erkrankungen erfasst. Viele Ärzte und Psychiater sind der Meinung, dass es beim Burnout-Syndrom in Wirklichkeit um offene oder latente Depressionen geht.

Aktuelle Studien zeigten, dass dieser Punkt der Diskussion zu kurz greift. Stress und stressbedingte Krankheitszeichen sind für viele Menschen Alltag. Der Burnout-Begriff kommt vor allem dann zum Tragen, wenn es um die seelischen Folgen einer zu hohen Arbeitsbelastung geht – nach einer Hochleistungsphase in Beruf und/oder Familie brennen die Betroffenen schließlich aus. Der Saarbrücker Psychologe Frank Lessel versuchte jetzt, die Krankheitsbilder Burnout und Depression anhand einiger Basis-Faktoren voneinander abzugrenzen.

Depressive Symptome bei Burnout – erst nach längerer Überforderung

Lessel beschreibt die Situation Burnout-gefährdeter Personen direkt aus ihrer Arbeitstätigkeit heraus: Bedingt durch ihr hohes Pflichtbewusstsein oder auch ihren Perfektionismus bürden sie sich dauerhaft zu viel Verantwortung und Arbeit auf und brechen unter dieser Last schließlich zusammen. Das Grundmuster depressiver Patienten geht demgegenüber in eine andere Richtung: Nicht nur bei der Arbeit, sondern auch bei allen anderen Tätigkeiten nehmen sie sich selbst nicht wichtig und verschleißen ihre Kräfte so “von Anfang an”. Psychische Symptome wie Antriebs- und Interesselosigkeit, Ermüdbarkeit und gedrückte Stimmung treten sowohl beim Burnout als auch bei Depressionen auf. Bei einer Depression sind sie jedoch direkte Erkrankungszeichen, bei einem Burnout entstehen sie erst nach einer “längeren Phase der Überforderung”.

Burnout als explizit verhaltensbedingte Krankheit

Der Autor Sascha N. Dengel argumentiert in die gleiche Richtung. In seinem Buch “Burnout-Syndrom: Krise oder Chance” hat er seine eigene Burnout-Erfahrung aufgearbeitet und reflektiert über den gesellschaftlichen Kontext der Erkrankung. Die oft zitierte “gesellschaftliche Akzeptanz” des Krankheitsbildes sieht er übrigens nicht – vielmehr fehle der Umwelt, im beruflichen ebenso wie im privaten Rahmen, oft das Verständnis für die Entstehung und die Folgen der Erkrankung. Anders als eine Depression ist das Burnout-Syndrom aus Dengels Sicht eine explizit verhaltensbedingte Erkrankung. Bei einer dauerhaften Überforderung durch Stress gerate zuerst das vegetative Nervensystem aus der Balance. Erste Burnout-Symptome – Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Vergesslichkeit – zeigten in diesem Fall als Abwehrreaktion des Körpers an, dass die Betroffenen ihr Verhalten ändern müssten, damit es nicht zu “ernsten Schäden” respektive einem klinisch manifesten Burnout kommt.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer treffen beide Autoren den in der allgemeinen Burnout-Debatte kaum berührten Kern der Diskussion: Ein Burnout entsteht aus dem Zusammentreffen objektiver Bedingungen und Faktoren – zu viel Arbeitsstress, private Lasten, fehlende Work-Life-Balance – und Reaktionsmustern, in denen die Betroffenen von sich selbst so lange immer höhere Leistungen oder mindestens “Funktionieren” fordern, bis schließlich “nichts mehr geht”. In unseren Intensiv-Trainings zur Burnout-Prävention arbeiten Sie zusammen mit unserem Experten-Team an der Aufarbeitung und Veränderung solcher krankmachender Verhaltensmuster. Zur Sprache kommen dabei neben Ihrer Alltagssituation selbstverständlich auch persönliche Dispositionen und lebensgeschichtliche Faktoren.

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Datum: Montag, 4. Februar 2013 11:16
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