Burnout-Ursachen: Zusammenspiel von limitierten Ressourcen und individuellem Perfektionismus

Die Zahl psychischer Erkrankungen, die sich aus wachsender Arbeitsverdichtung und Dauerstress am Arbeitsplatz ergeben, ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. In ihrem Fehlzeiten-Report 2012 konstatierte jetzt die AOK, dass die Zahl ihrer Versicherten, die sich wegen Burnout & Co. krankschreiben und behandeln lassen, seit 2004 um rund 40 Prozent gestiegen ist. Gleichzeitig arbeiten in Deutschland immer mehr Menschen auch am Wochenende oder in der Nacht – das Statistische Bundesamt Wiesbaden lieferte auch dazu aktuelle Zahlen: Demnach mussten 1996 nur knapp 19 Prozent aller Beschäftigten auch am Wochenende in die Firma gehen, inzwischen ist damit rund ein Viertel aller Arbeitnehmer in der Pflicht. Der Anteil von Nachtarbeitern hat sich in den letzten 15 Jahren von 6,8 auf 9,6 Prozent erhöht.

Diese Zahlen führten unter anderem zu einer Kontoverse zwischen AOK-Vorstand Uwe Deh und Arbeitgeber-Präsident Dieter Hundt. Aus Sicht von Uwe Deh müssen sich Arbeitnehmer zunehmend auch gegen sozialen Druck, die zunehmende Flexibilisierung der Arbeitswelt und generelle soziale Unsicherheit wappnen. Dieter Hundt verortete die ausschlaggebenden Burnout-Gründe eher im privaten Leben, Arbeit schaffe dagegen die Grundlagen für “Selbstbestätigung und Anerkennung” und sei so “eine wichtige Basis für psychische Gesundheit. Dr. Dagmar Siebecke – Arbeitswissenschaftlerin, Psychologin und wissenschaftliche Mitarbeitern der TU Dortmund versuchte jetzt in einem Interview mit dem Nachrichten-Portal “Heise/Telepolis” einen Ausgleich zwischen den beiden Positionen.

Prekäre Arbeitsbedingungen und Vermischung von Arbeit und Privatem

Die Burnout-Expertin bestätigte, dass viel Arbeit nicht zwangsläufig zu Krankheit führe. Als gefährlich sah sie dagegen die zunehmende Vermischung von Arbeit und Freizeit an. Wer ständig Arbeit mit nach Hause nehme, verliere zunehmend die Fähigkeit, von der Arbeit abzuschalten, worin auf lange Sicht ein wesentlicher Burnout-Auslöser liegen kann.

Interessant waren Siebeckes Feststellungen zur psychischen Gesundheit von Selbstständigen und Freiberuflern respektive der “Empfindung gegenüber der eigenen Arbeit”, die auf einem wissenschaftlichen Forschungsprojekt zur Burnout-Problematik basieren. Gerade bei Selbstständigen gebe es hier eine sehr große Schere zwischen Menschen, welche die Arbeit im eigenen Unternehmen als selbstbestimmt, kreativ und mit “Handlungsspielräumen ausgestattet” erleben und Unternehmern in ökonomisch prekären Unternehmen, die unter dem wirtschaftlichen Druck keine “freiwillige Entscheidung” über ihr Arbeitspensum treffen können und als Folge oft unter Stress sowie “einer ganzen Reihe psychischer Probleme” litten.

“Absolutistisch erhöhter Anspruch an sich selbst”

Die Entwicklung eines Burnout sah Dagmar Siebecke als das Zusammenspiel zwischen der persönlichen Leistungseinstellung der Betroffenen, die zuvor oft “hochleistungsorientiert und perfektionistisch” sind und Arbeitsbedingungen, unter denen sie ihre persönlichen Ziele durch Mangel an betrieblichen und persönlichen Ressourcen nicht erreichen können. Wertschätzungs-Defizite komplettieren in solchen Fällen meist die bereits negative Situation und führen damit weiter in die Krise. Als daraus resultierende grundsätzliche Burnout-Symptome definierte sie chronische Ermüdung, ein negatives Gefühl der eigenen Arbeit gegenüber sowie das Gefühl eingeschränkter Leistungskraft, die – in Verbindung mit dem zumindest früher relevanten individuellen Leistungswillen – zu Gleichgültigkeit und “Zynismus” führten.

Einen Burnout selbst beschrieb sie “als dauerhaften, negativen, arbeitsbezogenen Zustand”, der nicht nur aus der Erwerbsarbeit, sondern auch aus familiären Konstellationen oder ein intensiv betriebenen Hobby resultieren könne. Die Vorbedingungen dafür lägen in der Regel in einem “absolutistisch erhöhten Anspruch an sich selbst”.

Das Experten-Team der Gesundheitsakademie Schmidbauer ist ebenfalls der Meinung, dass eine wirksame Burnout-Prävention bei der inneren Einstellung der Betroffenen zu ihrer Arbeit, ihrem Leben sowie ihren Leistungspotenzialen beginnt. In unseren Intensivtrainings zur Burnout-Problematik kommen Sie Gründen und Folgen Ihres eigenen Perfektionismus auf die Spur und erlernen Strategien für die Verbindung von intensiver Arbeit und intensivem Leben ohne Burnout-Risiko.

Autor:
Datum: Montag, 8. Oktober 2012 11:37
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Burnout-Syndrom

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben