Burnout – woher stammt eigentlich der Begriff?

Dass sich die “moderne” Burnout-Problematik aus gravierenden Veränderungen unserer Arbeits- und Lebenswelt durch Globalisierung, einen zunehmend digital geprägten Arbeitsalltag und daraus resultierende neue Leistungsanforderungen an den Einzelnen entwickelt hat, steht außer Frage. Das “Hamburger Abendblatt” veröffentlichte jetzt einen interessanten Artikel zur Geschichte des Begriffes Burnout, der – ursprünglich ein literarisches Motiv aus den frühen 1960er Jahren – sehr schnell Eingang in die medizinische und psychologische Diskussion gefunden hat.

Der Burnout-Begriff wurde demnach erstmals durch den britischen Schriftsteller Graham Greene in seinem Roman “A Burnt-Out Case” (1960) verwendet. Es ging darin um einen Architekten, der unter der Sinnentleerung seiner Arbeit und zunehmender Erschöpfung leidet – um sein Problem zu lösen, wandert er schließlich aus. Der US-amerikanische Psychologe Herbert Freudenberger griff Bezeichnung und Problem in einer Weise auf, dass er 1974 zunächst bei sich selbst einen Burnout diagnostizierte und in den folgenden Jahren mit seiner wissenschaftlichen Arbeit zum “Vater” der modernen Burnout-Forschung wurde.

Burnout – aus deutscher Sicht ursprünglich ein amerikanisches Problem

Interessant ist das Vordringen des Begriffes in die mediale Diskussion in Deutschland – in dem Artikel anhand von Beispielen aus dem “Hamburger Abendblatt” beleuchtet. Die Zeitung veröffentlichte ihren ersten Burnout-Artikel im Jahr 1986, sah das Problem seinerzeit jedoch als ein ausschließlich US-amerikanisches Phänomen. In dem Beitrag ging es um eine amerikanische Studie, die anhand der Auswertung der Daten von über 9.000 Arbeitern und Angestellten zu dem Schluss kam, dass rund 45 Prozent von ihnen unter totaler und stressbedingter physischer und psychischer Erschöpfung litten.

Bis zum Beginn der 2000er Jahre spielte die Burnout-Debatte in Deutschland so gut wie keine Rolle, in den Medien tauchte das Thema nur vereinzelt auf. Seit den späten 1990er Jahren waren dabei ein neuer Trend erkennbar: Ein Burnout wurde nun nicht mehr vor allem Menschen in den – im Übrigen wenig statusträchtigen – pflegenden, helfenden oder erziehenden Berufen zugeschrieben. Neben “Managerkrankheit” und “Erschöpfungsdepression” etablierte sich der Burnout-Begriff zunehmend zur Beschreibung eines eigenständigen Syndroms.

Zurück zum “Abendblatt” – seit Anfang der 2000er Jahre stieg die Anzahl der Artikel zur Burnout-Problematik sprunghaft ab. Ab 2004 bewegte sie sich im zweistelligen Bereich pro Jahr, 2011 wurden insgesamt 106 Burnout-Artikel publiziert. Die Hamburger liegen damit konform mit dem allgemeinen Vordringen des Themas in die öffentliche Diskussion. Einen wichtigen Beitrag dazu leisteten Prominente, die sich als Burnout-Opfer outeten sowie der Tod des Fußballers Robert Enke, der sich Ende 2009 aus einer (Erschöpfungs-)Depression heraus das Leben nahm. Gleichzeitig machten immer mehr nicht prominente Menschen ihr Leiden an Stress und dauerhafter Überlastung zu einem öffentlichen Thema.

Neurosen, Neurasthenie und Burnout – Reaktionen auf  Veränderungen im Alltag

Der Direktor des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, Heinz-Peter Schmiedebach, kommentierte, dass zur Verankerung des Burnout-Phänomens im öffentlichen Bewusstsein drei Voraussetzungen nötig waren: Die wissenschaftliche Untersuchung des Syndroms, das “Gefühl in der Gesellschaft, dass sich etwas Gravierendes verändert habe sowie die “Übernahme des Phänomens in die Medizin”, durch die es – beispielsweise durch Krankschreibungen – einen messbaren gesellschaftlichen Effekt erzeugt. Schmiedebach folgt dabei bisher dem von der WHO anerkannten Krankheitsbegriff der Erschöpfungsdepression – der Burnout-Begriff als solcher sei bisher diffus, stehe im Kern jedoch dem Krankheitsbild der Depression am nächsten. Von der Mehrzahl der Menschen werde eine Depression allerdings als konstitutionelles und/oder genetisches Defizit gesehen, ein Burnout resultiere im Gegensatz dazu aus erhöhten äußeren Anforderungen in Beruf und Alltag und sei daher wenig oder nicht mit sozialen Stigmata belegt.

Aus Schmiedebachs Sicht korrespondiert der Begriff übrigens mit “historischen” Krankheitsbildern wie den Neurosen oder Neurasthenien des 19. Und 20. Jahrhunderts, mit denen Menschen und Gesellschaft ebenfalls auf gravierende Veränderungen des Alltags reagierten – die Ausbildung neuer Phänomene in dieser Richtung setzte der Medizinhistoriker in Intervallen von etwa 150 Jahren an.

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Datum: Montag, 26. November 2012 10:37
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