Ein Viertel aller psychischen Erkrankungen resultiert aus beruflicher Überlastung

Psychische Erkrankungen sind in Deutschland auf dem Vormarsch. Jeder vierte Berufstätige erkrankt während seines Arbeitslebens an Depressionen, Burnout oder einem anderen psychischen Leiden. In rund 25 Prozent aller Fälle werden diese direkt durch Überforderung im Job und Dauerstress verursacht. Verschiedene gesetzliche Krankenkassen berichteten kürzlich in ihren Fehlzeiten-Reports, dass die Fehltage wegen Burnout & Co. in den vergangenen zehn Jahren um rund 80 Prozent zugenommen haben.

Der Psychiater Dr. Werner Kissling, der das Center for Desease Management (CFDM) an der TU München leitet, meinte jetzt allerdings, dass diese Zahlen nicht automatisch bedeuten müssen, dass deutlich mehr Menschen von psychischen Störungen betroffen sind. Zum einen sind Ärzte und Patienten heute für psychische Erkrankungen stärker sensibilisiert – sie werden häufiger diagnostiziert und zudem auch in der Öffentlichkeit diskutiert. Zum anderen seien in den meisten Unternehmen sogenannte Schonarbeitsplätze ersatzlos weggefallen. Das strikte Leistungsmonitoring in den Firmen mache eine Integration zeitweise etwas weniger leistungsfähiger Arbeitnehmer in den Arbeitsalltag fast immer obsolet, die Betroffenen müssten also direkt krankgeschrieben werden.

Häufigste psychische Erkrankung: Depressionen

Kissling betonte, dass sich hinter den meisten psychischen Störungen eine genetische Ursache verbirgt, die Erkrankungen aber oft nur ausbrechen, wenn sich zu dieser generellen Disposition auch noch traumatische Erlebnisse oder dauerhafte Überforderung gesellen. Seiner Schätzung nach kommt bei etwa einem Viertel aller psychischen Leiden der Auslöser aus der Arbeitswelt. Die häufigste psychische Erkrankung in Deutschland ist die Depression, an der rund jeder Fünfte mindestens einmal in seinem Leben leidet. Fast ebenso häufig werden Angst- und Zwangserkrankungen diagnostiziert. An dritter Stelle stehen Alkoholabhängigkeit und andere Suchtkrankheiten.

Positiver Effekt des “Burnout-Hype” – psychische Probleme werden öffentliches Thema

Interessant ist, dass ein Burnout dagegen vergleichsweise selten auf dem Krankenschein erscheint – nur ein bis vier Prozent der Erwerbstätigen erhalten diese Diagnose. Eine Rolle spielt hier vermutlich, dass die WHO einen Burnout bisher nicht als Behandlungsdiagnose, sondern lediglich als Zusatzdiagnose sieht, was auch in Deutschland unter anderem versicherungsrechtliche Folgen hat. In der Praxis dürften daher bei vielen Diagnosen die diagnostizierten Depressionen und ein Burnout zusammenfallen.

Werner Kissling wertete im Interview den aktuellen “Burnout-Hype” als positiv. Auch bei ihm kam der im Gegensatz zu anderen psychischen Störungen wie Depressionen oder Schizophrenie wenig stigmatisierende Charakter des Begriffs zur Sprache. Die Annahme, unter einem Burnout zu leiden, mache es den Betroffenen leicht, über ihre psychischen Probleme zu sprechen und sich um professionelle Hilfe zu bemühen. Trotzdem sei in diesem Bereich noch großer Aufklärungsbedarf gegeben – vielen Menschen sei gar nicht bewusst, dass sie unter einer psychischen Störung litten, sie ordneten ihre Beschwerden vielmehr körperlichen Erkrankungen zu. Als sehr positiv sah er in diesem Kontext den aktuellen Einstellungswandel in Firmen und Behörden, wo die Prävention psychischer Leiden und der Umgang mit betroffenen Mitarbeitern inzwischen deutlich stärker in ein aktives Gesundheitsmanagement inklusive entsprechender Management-Schulungen einbezogen werden.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer sollten Sie auf die Belastungen aus Ihrem Arbeitsalltag möglichst reagieren, bevor diese zu einem Burnout oder einer anderen psychischen Erkrankung führen. In unseren Intensivtrainings zur Burnout-Therapie arbeiten Sie zusammen mit uns an einer positiven Veränderung Ihrer Arbeits- und Lebensweise und an der Aufarbeitung Ihrer lebensgeschichtlichen und psychischen Burnout-Dispositionen.

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Datum: Freitag, 26. Oktober 2012 11:32
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