IT-Mitarbeiter tragen ein besonders hohes Burnout-Risiko

Aus Österreich kommt eine aktuelle Studie zur Burnout-Gefährdung von IT-Experten. Der Autor Tim Sturm ist selbst ein “gebranntes Kind”. Seine Untersuchung “Burnout in der IT-Branche” hat der ehemalige IT-Manager im Rahmen seines Coaching- und Supervisions-Studiums an der Donau-Universität Krems erstellt.

Für seine Forschung zur tatsächlichen Burnout-Gefährdung von Computer-Spezialisten hat Sturm eine sehr persönliche Motivation. Den Wandel der Arbeitsbedingungen in der Branche hat er seit 20 Jahren hautnah miterlebt, erst nach seinem eigenen Burnout hat er sein Leben nachhaltig verändert. In seinen Fragebögen zur Burnout-Problematik kommen insgesamt 1.555 IT-Mitarbeiter aus Österreich, Deutschland und der Schweiz zu Wort. Sturms Fazit: Die Arbeitssituation in der Computer-Branche ist “dramatisch und höchst alarmierend” – aus seiner Sicht leiden IT-Mitarbeiter in besonders hohem Maße unter Burnout-Zeichen.

Deutsche IT-Mitarbeiter sind stärker Burnout-gefährdet als Österreicher und Schweizer

Demnach sind 53 Prozent der Beschäftigten im IT-Bereich Burnout-gefährdet, 13 Prozent weisen bereits kritische Burnout-Symptome auf. Auffällig ist, dass deutsche IT-Beschäftigte um rund zehn Prozent stärker gefährdet sind als ihre Kollegen in den beiden Alpenländern. Als problematisch identifizierte Thomas Sturm unter anderem die in der Branche verbreitete Projektarbeit, aus der sich Anpassungszwänge an unterschiedliche betriebliche Anforderungsprofile und Sozialordnungen ergeben, die von den IT-Mitarbeitern oft als Belastung wahrgenommen werden. Gleichzeitig werde IT-Arbeit immer “kleinteiliger”, was es für die Beteiligten schwer macht, ihre Ziele eigenverantwortlich zu erreichen und ihre eigene Arbeit als persönlich sinnvoll zu erleben – gleichzeitig seien sie aber für das Gelingen der Gesamtprojekte in der Pflicht. Das dritte Element im “großen Trio” der Burnout-Faktoren ist das Problem der ständigen Erreichbarkeit – durch “Smartphones &. Co.” steige die tägliche Arbeitszeit bei immer kürzeren Entspannungsphasen.

Burnout-Faktor Arbeitszeit

Fach- und Führungskräfte im IT-Bereich kommen derzeit auf durchschnittliche Wochenarbeitszeiten von 40 bis 53 Stunden – aus Sturms Sicht ist dies bereits viel und jede weitere Arbeitsstunde vergrößere das Burnout-Risiko. In seiner Studie liefert er für diesen Zusammenhang auch Zahlen: Mitarbeiter, die pro Woche mehr als 54 Stunden arbeiten, tragen demnach ein um zwölf Prozent höheres Burnout-Risiko. Besonders kritisch ist die Situation von Frauen sowie Mitarbeitern im Support. 65 Prozent der IT-Beschäftigten in den Bereichen Helpdesk oder Hardware-Service sind akut Burnout-gefährdet, 17 Prozent sind bereits an dem chronischen Erschöpfungs-Syndrom erkrankt. Bei einem Vergleich von Sturms Datensammlung mit Burnout-Angaben der Ärztekammern zeige sich, dass IT-Mitarbeiter sogar deutlich stärker Burnout-gefährdet sind als Mitarbeiter im Gesundheitswesen. Insbesondere die zweite Burnout-Phase mit “Depersonalisierung” und emotionaler Erschöpfung sei bei Ihnen stärker ausgeprägt, sie befinden sich also oft schon in einem fortgeschritteneren Burnout-Stadium.

Sturms Fazit: Wenn die Branche – und auch viele andere Unternehmen – so weitermachen wie bisher, wird unser ökonomisches System irgendwann nicht an der Wirtschaftskrise, sondern am Verschleiß von Menschen und den gesellschaftlichen Kosten für die daraus folgenden Erkrankungen untergehen.

Burnout-Prävention durch Coachings und Beratung senkt Burnout-Risiko

In seiner Arbeit ging der Autor außerdem der Frage nach, welchen Nutzen die diversen betrieblichen Maßnahmen zur Burnout-Prävention – Coaching, Supervision oder Mitarbeitergespräche – tatsächlich bringen. Seine Antwort ist hier eindeutig positiv: Derartige Präventionsmaßnahmen führen zu einem höheren Grad der Reflexion und verbessern damit das “Selbst-Bewusst-Sein” der Mitarbeiter. Das Burnout-Risiko vermindere sich dadurch um bis zu 30 Prozent – in der IT-Branche nehmen bisher allerdings nur zwölf Prozent aller Beschäftigten entsprechende Beratungsleistungen in Anspruch.

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Datum: Mittwoch, 5. Dezember 2012 11:50
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