Mittelmanager – die “Lastesel der Konzernwelt”

In der Online-Ausgabe des Nachrichtenmagazins “Der Spiegel” erschien in dieser Woche ein spannender Artikel, der die Situation des Mittelmanagements als den “Lasteseln der Konzernwelt” zum Thema hatte. Der Begriff “Burnout” kommt in dem gesamten Text nicht vor – die Sandwich-Position der “Executives” zwischen den Anforderungen der Mitarbeiter und der Firmenleitung legt trotzdem nahe, dass dieser Personenkreis ein besonderes Risiko trägt, durch die Anforderungen des Jobs und psychische Belastungen auf Dauer aufgerieben werden.

Autorin Eva Buchholz beschreibt als Einstieg eine Coaching-Situation: Ein Produktmanager lässt sich beraten, weil er mit einem Projekt nicht weiterkommt, das sowohl auf Konzernvorgaben als auch auf einer eigenen Idee beruht. Das Problem: Er trifft er in den involvierten Abteilungen auf Hindernisse, die schließlich das Projekt insgesamt gefährden. Die Schuld dafür sucht er bei sich selbst, bis der Coach ihm deutlich macht, dass er nicht an seinem eigenen “Versagen” scheitert, sondern durch die Strukturen seiner Organisation gebremst wird.

Mittelmanager – viel Arbeit, wenig Unterstützung

Die Situation ist typisch für viele Job-Konstellationen im mittleren Management. Die Protagonisten kommen gut ausgebildet und hochmotiviert in die Unternehmen. Als “Young Professionals” oder “High Potentials” können sie – wenn es nach den Perspektivgesprächen im Einstellungsverfahren oder in den regelmäßigen Bewertungsrunden ginge – mit einer schnellen und auch inhaltlich befriedigenden Karriere rechnen. Die Realität in vielen Firmen sieht indessen anders aus: Die Leistungsträger auf der mittleren Führungsebene werden in vielen Firmen mittelfristig schlicht sich selber überlassen.

Die Mehrheit der Führungskräfte in den Unternehmen ist im mittleren Management beschäftigt und agiert in dieser Position als Puffer zwischen den Strategen/Visionären in der Chefetage und den operativen Mitarbeitern. Buchholz bezeichnet sie als die namenlosen “Offiziere der Wirtschaft”, die sich im täglichen Kampf um Aufstiegschancen, Einfluss und Wertschätzung verschleißen. Zu den eigenen Karriereerwartungen kommt in vielen Fällen auch der Aufstiegsdruck im Unternehmen – wer es nicht schafft, sich im mittleren Management in dieser Hinsicht von den Kollegen abzugrenzen, kann sich auch schnell auf einer internen “Abschussliste” wiederfinden.

Karrierestau, limitierter Handlungsspielraum, interner Konkurrenzkampf

In der Praxis leiden Mittelmanager unter einem Karrierestau, da die eigentlichen Chefs der Unternehmen heute – anders als in früheren Jahren – oft versuchen, ihre Positionen bis zum Ruhestand zu halten, unter stark limitierten Entscheidungskompetenzen, einer oft extrem hohen Arbeitsbelastung und internem Konkurrenzdruck. Viele derjenigen, die schließlich die nächste Karrierehürde nehmen, finden sich ohne Unterstützung auf einem Posten wieder, für den sie in ihrer bisherigen Tätigkeit nicht genügend vorbereitet wurden. In einer globalen Studie der Boston Consulting Group und dem “Weltverband der Vereinigungen für Personalführung” (WFPMA) kritisieren rund 40 Prozent der befragten mittleren Führungskräfte die “unstrukturierte Karriereplanung” ihrer Unternehmen für das Mittelmanagement. Weitere Negativ-Faktoren in ihrem Business-Alltag sind die firmeninterne Bürokratie sowie eine unzureichende Kommunikation mit der Firmenleitung.

Aus einer Untersuchung der Cologne Business School geht hervor, dass viele Mittelmanager sich mit ihrer Rolle als Produktivitäts-Katalysator zwischen den Chefs und der Unternehmensbasis trotzdem in hohem Maße identifizieren. Gleichzeitig kennen Experten die (Existenz-) Ängste gerade dieser – eigentlich sehr gut verdienenden -Arbeitnehmer-Gruppe, in der kollegiales/solidarisches Verhalten oft hinter den eigenen Status- und Karrierewünschen zurücktritt.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer ist es – nicht nur für Mittelmanager – wichtig, sich im Job auf das persönlich Machbare zu besinnen, objektiv gegebene Grenzen positiv zu akzeptieren und eine Balance zwischen den Anforderungen der Position und den eigenen Bedürfnissen zu finden. Im konkreten Fall kann das bedeuten, die eigene Karriereplanung – und den Preis, den diese kostet – einmal mit anderen Augen zu betrachten. In unseren Intensivtrainings zur Burnout-Prävention widmen wir uns auch solchen Fragen – im Kern geht es dabei um Ihre Lebensqualität in- und außerhalb der Firma.

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Datum: Mittwoch, 13. Februar 2013 11:52
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