Psychosomatik – das vernachlässigte Wissen

“Mens sana in corpore sano” – in einem gesunden Körper lebt ein gesunder Geist: Dieser Satz gehört – eigentlich – zum Alltagswissen. Die landläufige Meinung besagt immer noch zu oft, dass sich körperliche Leiden auch in der Seele niederschlagen. Dass psychische Leiden auch massive körperliche Symptome von Rückenschmerzen bis zum Herzinfarkt bedingen können, setzt sich als Standard in der Medizin erst langsam durch.

Zwar hält das Wissen der Psychosomatik in immer mehr medizinischen Bereichen Einzug, was in der Forschung Standard ist, hilft Patienten jedoch oft wenig: Psychosomatische Leiden werden im Schnitt erst nach sechs Jahren adäquat behandelt.

Perfektionismus und Depressionen die stärksten Herzinfarktauslöser

Experten meinen, dass der Einfluss der Psyche im Extremfall lebensgefährlich ist. Bei vier von fünf Patienten, die einen Herzinfarkt erleiden, spielt sie dabei die entscheidende Rolle. Dabei kommen Arbeitsbelastungen ebenso wie private Konflikte als Ursachen in Betracht. Das bereits vorbelastete Herz blockiert oft erst dann, wenn diese Stressfaktoren eine kritische Grenze überschreiten. Viele Forscher gehen davon aus, dass Menschen mit einer Typ-D (“distressed”)-Persönlichkeit besonders stark durch eine koronare Herzerkrankung gefährdet sind. Ihre Persönlichkeitseigenschaften – Ehrgeiz, Perfektionismus, Verbissenheit oder auch Aggressivität – führen im Endeffekt auch zu negativen Effekten wie Niedergeschlagenheit oder (Versagens-)Ängsten.

Der Psycho-Kardiologe Professor Jochen Jordan aus Bad Nauheim sieht Perfektionismus sogar als den Herzinfarkt-Auslöser schlechthin. Einen vergleichbaren Effekt haben psychische Leiden wie beispielsweise Depressionen, die das Herz vergleichbar stark belasten können wie das Rauchen. Depressive Patienten überleben einen Herzinfarkt und seine Folgen – darunter oft eine posttraumatische Belastungsstörung – deutlich seltener als psychisch gesunde Menschen.

“Falsche” Ausbildung für junge Ärzte

In der Praxis interessieren sich viele Ärzte nur begrenzt für das Zusammenwirken von Körper und Seele. Hausärzte fokussieren sich oft völlig auf scheinbar rein körperliche Krankheitsbilder. Der Rostocker Hausarzt und Allgemeinmediziner Thomas Maibaum meinte hierzu, dass sein Berufsstand schlicht falsch ausgebildet werde – in der Praxis werden Nachwuchsmediziner noch viel zu oft auf die rein körperlichen Gründe und die rein medikamentöse Behandlung von Erkrankungen “getrimmt”.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer besteht hier ein direkter Zusammenhang zur Burnout-Problematik. Dauerstress, Belastung und “ungute” Arbeitssituationen äußern sich in körperlichen Symptomen. Eine nachhaltige Lösung ergibt sich bei einer rein Körper-orientierten medizinischen Behandlung weder daraus noch aus eigentlich möglichen Verhaltensänderungen. In unseren Intensivtrainings zur Burnout-Prävention fokussieren wir uns auf ein ganzheitliches Konzept, in dem Körper, Seele, Ihr Alltag und Ihre aktuelle Lebenssituation die zentrale Rolle spielen.

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Datum: Dienstag, 25. Juni 2013 10:14
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