Psychostress am Arbeitsplatz – für viele Arbeitnehmer Alltag

Die IG Metall hat in dieser Woche in Berlin ihre Sonderauswertung “Psycho-Stress am Arbeitsplatz” öffentlich präsentiert. Die Daten stammen aus dem DGB-Index “Gute Arbeit”, hinter dem regelmäßige Unternehmensbewertungen durch knapp 5.000 Arbeitnehmer stehen.

Der IG-Metall-Vorsitzende Jürgen Urban fasste die Ergebnisse der Sonderauswertung mit alarmierender Tendenz zusammen: Demnach leiden 56 Prozent der Befragten unter “starker oder sehr starker Arbeitshetze”. Zwischen 55 und 80 Prozent klagten in der nach Branchen aufgeschlüsselten Erhebung über stetig wachsenden Arbeitsdruck und zeitliche Belastung. Besonders stark betroffen sind Mitarbeiter im Energie- und Maschinenbausektor. Als Ergebnis der Belastungen fühlen sich fast 50 Prozent der Arbeitnehmer “leer und ausgebrannt”. Parallel dazu werde der generelle Arbeitsdruck auch durch den unsicheren Arbeitsmarkt sowie prekäre Beschäftigungsverhältnisse verstärkt. Urban forderte vor diesem Hintergrund – übrigens nicht zum ersten Mal – ein aktives und vor allem präventives Gegensteuern. Aus seiner Sicht entwickelt sich der “überbordende” Arbeitsstress inklusive Burnout und anderen psychischen Belastungsfolgen zur “Volkskrankheit des 21. Jahrhunderts”.

Alarmsignal der Arbeitnehmer an Politik und Unternehmen

Auch die DGB-Vorstandsfrau Annelie Buntenbach fasste die Ergebnisse der Studie als ein “Alarmsignal der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer” zusammen und forderte auch von der Bundesregierung verbindliche rechtliche Regelungen für einen besseren Schutz vor Stress noch vor der nächsten Wahl. Die Mehrheit der Betriebe beschäftigt sich bisher mit solchen Fragen nicht: 40 Prozent der für die Studie Befragten gaben an, dass an ihrem Arbeitsplatz im Hinblick auf die Stressbelastung bisher keine Gefährdungsbeurteilung erfolgt sei. In Unternehmen, die eine Gefährdungsbeurteilung vorgenommen hatten, wurde in 64 Prozent der Fälle nicht nach konkreten Stressfaktoren – Zeitdruck, Arbeitsintensität und -Menge sowie problematischen Führungsstilen – gefragt.

IG-Metall will Anti-Stress-Verordnung mit Gesetzeskraft

Die IG Metall mahnt mit ihrer Initiative für eine Anti-Stress-Verordnung seit zwei Jahren übergreifende Regelungen für alle Wirtschaftsbereiche an, diese “Regelungs- und Schutzlücke” im Arbeitsrecht sei offensichtlich. Am 19. Dezember 2012 hat die Bundesregierung zwar entschieden, das bestehende Arbeitsschutzgesetz entsprechend zu ergänzen, die IG Metall fordert dafür jedoch eine eigene Rechtsverordnung. Diese soll

  • Rechtssicherheit zu psychischen Belastungen am Arbeitsplatz schaffen, die im bestehenden Arbeitsrecht – wenn überhaupt – nur indirekt angesprochen werden
  • Verbindlichkeit im Hinblick auf die Gefährdungsbeurteilungen/relevanten Stressfaktoren schaffen
  • Konflikte zwischen Unternehmensführungen und Mitarbeitern entschärfen
  • Die staatliche Aufsicht – beispielsweise Berufsgenossenschaften oder die Arbeitsschutzverwaltung – durch verbindliche Anti-Stress-Regelungen und die entsprechenden Arbeitsschutz-Kriterien verbessern
  • Die Motivation der Arbeitgeber und damit die Erfolgsaussichten für die innerbetriebliche Stress-Prävention stärken.

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Datum: Freitag, 25. Januar 2013 11:55
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