Sensibler Umgang mit Burnout und Depressionen

Der Begriff “Burnout” hat sich seit den 1970er Jahren als Bezeichnung für einen Zustand körperlicher und emotionaler Erschöpfung eingebürgert, der vor allem aus beruflicher Überlastung resultiert – soziale Akzeptanz ist den Betroffenen daher weitgehend sicher. Depressionen gelten dagegen auch heute noch als eine stigmatisierende psychische Erkrankung.

In der Praxis sind die Übergänge zwischen einem Burnout und Depressionen fließend. Die WHO erkennt in ihren Krankheits-Klassifikationen (IDC-10) das Burnout-Syndrom bisher nicht als eigenständige Erkrankung an, sondern definiert dieses als eine Zusatzdiagnose, die auf “Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung” abstellt. Behandlungsrelevanz im engeren Sinne ergibt sich – unter anderem versicherungsrechtlich – erst aus der Diagnose körperlicher Stresserkrankungen oder aus dem Vorhandensein klinisch manifester Depressionen. In fortgeschrittenen Burnout-Stadien gehören Depressionen zum “normalen” Krankheitsbild.

Jeder vierte bis fünfte Deutsche leidet unter Depressionen

Vor diesem Hintergrund plädierte Professor Dr. Georg Juckel, Ärztlicher Direktor des Universitäts-Klinikums der Ruhr-Universität Bochum und Experte für Psychiatrie, Psychotherapie und Präventiv-Medizin, jetzt für einen “sensiblen Umgang mit Depressionen”.

Das Krankheitsbild der Depression beschrieb Professor Dr. Juckel als eine “lebensgefährliche Volkserkrankung”, die in den vergangenen Jahrzehnten rasant Terrain gewonnen hat. Typische Symptome sind die Verschlechterung der Stimmung, Antriebs- und Energieverlust, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen, Schlafstörungen, Appetitreduktion, Gewichtsabnahme und verschiedene psychosomatischen Beschwerden. Zu Beginn seiner Laufbahn als Psychiater vor 25 Jahren litten in Deutschland etwa sechs bis acht Prozent der Bevölkerung an Depressionen, heute sind zwischen 20 und 25 Prozent – also jeder Vierte bis Fünfte – davon betroffen. Besonders alarmierend: Jeder zehnte Patient, der an einer Depression erkrankt sei, versterbe durch Suizid.

Das Krankheitsbild entsteht oft durch Stress

Der Experte ist sich sicher, dass die Zunahme der Diagnose “Depression” nicht nur einem offeneren Umgang mit der Erkrankung geschuldet ist, sondern dahinter ein absoluter Anstieg der Erkrankungszahlen steht. Die Ursache dafür sei in vielen Fällen Stress – definiert als “Belastungen aller Art” im Beruf und im privaten Leben – sowie die gesellschaftlichen Entwicklungen insgesamt, die sich in Beschleunigung, Leistungsanforderungen, Digitalisierung und wachsendem Druck auf den Einzelnen niederschlagen.

Der Zusammenhang zwischen Suizid und Depression gehört zu den Spezialgebieten des Bochumer Professors. Deutschland liegt in der europäischen Suizid-Statistik mit jährlich rund 12- bis 13.000 Fällen mit einer relativ konstanten Rate im oberen Drittel. Das höchste Suizid-Risiko haben Männer im Alter über 50, die als Singles und in einer Großstadt leben. Professor Dr. Juckel geht davon aus, dass hinter 95 Prozent aller Selbsttötungen in Deutschland psychische Probleme, insbesondere Depressionen, stehen. Das frühzeitige Erkennen und Behandeln der Erkrankung und eine entsprechende Aufklärung der Patienten verringere – durch verschiedene Studien wiederholt bestätigt – die Suizid-Raten beträchtlich. Hier schließt sich auch der Kreis zur Burnout-Problematik: Ein unbehandelter Burnout schreitet von den ersten unspezifischen Symptomen bis zu ausgeprägten Depressionen fort und kann in seiner Endphase durchaus zu Suizid-Gedanken führen.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer sind auch deshalb bereits die ersten Zeichen der chronischen Erschöpfung ernst zu nehmen. In unseren Intensiv-Trainings zur Burnout-Therapie und -Prävention kommen Sie zusammen mit erfahrenen Therapeuten den Ursachen Ihrer gesundheitlichen Probleme auf die Spur und erarbeiten die Grundlagen für nachhaltige Veränderungen.

Autor:
Datum: Mittwoch, 9. Januar 2013 11:03
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Burnout-Syndrom

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben