Stadtverwaltung Wiesbaden: Stress, Burnout und hohe Krankheitskosten

Die Stadt Wiesbaden lieferte mit einer Studie zu den Arbeitsbedingungen in den städtischen Verwaltungen und Betrieben jetzt ein aussagestarkes Beispiel, wie eine negative Unternehmenskultur die Mitarbeiter krank macht. Der Bielefelder Soziologie-Professor Bernhard Badura sollte in einem Gutachten die Gründe für deren hohen Krankenstand ermitteln. Das Urteil des Experten war vernichtend: Die Stadtverwaltung in Wiesbaden gleicht in seinen Augen eher einem “seelenloser Apparat” als einer “dynamischen Produktionsgemeinschaft”.

Für die Studie hat Badura die Fehlzeiten der Mitarbeiter ausgewertet sowie Interviews mit den beiden Bürgermeistern, den Amtsleitern und ihren Stellvertretern, den hauptamtlichen Stadträten sowie Personalräten geführt. Sein Fazit: Überdurchschnittlich hohe Fehlzeiten vor allem im Büro des scheidenden Oberbürgermeisters Helmut Müller (CDU) sowie ein hoher Anteil von Langzeit-Erkrankungen und Burnout-Fällen in dessen Dezernat. Nach Auskunft eines Interview-Partners hätten viele dort beschäftigte gekündigt, weil sie bereits unter Burnout litten oder das Arbeitsklima einfach nicht mehr ausgehalten hatten. Der “übermächtige Chef” gehe seinen Weg jedoch trotzdem “ohne Rücksicht auf Verluste” und sei im Umgang mit seinen Mitarbeitern “gnadenlos”. Eine öffentliche Stellungnahme aus dem Dezernat des Oberbürgermeisters gab es dazu bisher nicht.

“Kulturschock” durch betriebswirtschaftliche Ausrichtung und Leistungsdruck

Als ebenso “gnadenlos” empfanden viele Mitarbeiter die betriebswirtschaftliche Ausrichtung sowie die Leistungsverdichtung an ihren Arbeitsplätzen. Aus diesen beiden Punkten habe sich ein “Kulturwandel” – und für viele auch ein “Kulturschock” – ergeben. Die “emotionale Bindung” an ihre Tätigkeit und ihren Arbeitgeber ginge dadurch verloren, wodurch wiederum das Risiko für Stress, Krankheiten und Burnout wachse. Die Stadt Wiesbaden versuche zwar, die Stressbelastung durch “körperlich orientierte” Maßnahmen wie beispielsweise der Möglichkeit kostenloser Schwimmbadbesuche zu kompensieren, die Stressursachen blieben jedoch davon unberührt.

Die hohen Fehlzeiten in den städtischen Institutionen nähmen die dortigen Führungskräfte noch nicht einmal zur Kenntnis: Einer der Amtsleiter nahm an, dass es in der gesamten Stadtverwaltung höchstens 150 Langzeit-Kranke gebe, vergleichbare Werte wurden auch von den anderen Amtsleitern vermutet. Tatsächlich waren 2011 insgesamt 1.774 Mitarbeiter oder 32,9 Prozent der Belegschaft länger als sechs Wochen krankgeschrieben.

Mehr Achtsamkeit und Mobilisierung der “kollektiven Intelligenz”

Im Fazit seines Gutachtens forderte Badura die Stadtverwaltung auf, die “kollektive Intelligenz” gegen Angst, Hilflosigkeitsgefühle und Burnout zu mobilisieren. Im Kern gehe es dabei um “Achtsamkeit für Gesundheit”, das Aufheben der inneren Lähmung sowie eine neue Definition interner Hierarchien, die nicht auf den darin erreichten Status, sondern die Ergebnisse der Arbeit abzielt.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer beschreibt Professor Baduras Studie einen Präzedenzfall, den es auch in vielen anderen Unternehmen gibt: Autoritäre und starre Hierarchien, “Führen durch Angst”, wenig oder keinen Spielraum für die Mitarbeiter. Dass die Stadt Wiesbaden sich auf diese Analyse eingelassen hat, ermöglicht immerhin die Hoffnung auf Veränderung. Gleichzeitig verweist das Beispiel Wiesbaden auch darauf, dass für den einzelnen Mitarbeiter “gar nichts geht”, wenn das betreffende Unternehmen sich nicht auf eine aktive – und strukturelle – Burnout-Prävention einlässt. Wir raten daher immer auch zu einem individuellen Gegensteuern – in unseren Intensivtrainings zur Burnout-Prävention finden Sie dafür einen “geschützten” und individuellen Rahmen.

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Datum: Freitag, 28. Juni 2013 11:51
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