Ständige Erreichbarkeit – und wie Sie sie im Urlaub stoppen

Digitalisierung und die Omnipräsenz von Smartphones, Laptops oder Tablets hat unsere Arbeitswelt, damit aber auch die Strukturen unseres privaten Lebens grundlegend verändert. Immer mehr Arbeitnehmer sind zumindest der Tendenz nach rund um die Uhr für ihren Job im Einsatz. Sie müssen auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten per Telefon oder E-Mail erreichbar sein. Eine aktuelle Studie hat nicht nur herausgefunden, dass knapp 30 Prozent aller Angestellten regelmäßig Arbeit mit nach Hause nehmen – und sich dazu sowie zur digitalen Kommunikation ohne Freizeit-Grenzen oft freiwillig bereit erklären. Experten warnen vor den gesundheitlichen Folgen der ständigen Erreichbarkeit. Wir zeigen Ihnen einige Möglichkeiten, wie Sie mindestens in Ihrem Urlaub dem Dauerstress entgehen.

Das größte Problem hinter der ständigen – und in vielen Firmen statusträchtigen – Erreichbarkeit: Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatem werden fließend, richtiges Abschalten ist vor diesem Hintergrund bald nicht mehr möglich. Der Druck aus dem Büro wird damit auch ins Private transferiert und belastet dort nicht nur die Akteure selbst, sondern auch deren Partner und Familien. Die Betroffenen sind oft hin- und hergerissen – einerseits klagen sie über Dauerstress, andererseits fühlen sie sich wichtig und geschmeichelt. Wer auch abends, am Wochenende und im Urlaub unabkömmlich ist, muss sich zudem zumindest scheinbar um die Sicherheit seines Arbeitsplatzes nicht sorgen.

Die Zeche der “entgrenzten” Arbeitswelt zahlen Mitarbeiter ebenso wie Unternehmen

Für die Arbeitgeber ergibt sich daraus auf den ersten Blick ein Vorteil, den viele Vorgesetzte recht exzessiv in Anspruch nehmen. Manche Firmen genehmigen sogar den Jahresurlaub nur, wenn die Urlauber trotzdem erreichbar bleiben. Auf lange Sicht zahlen hierfür allerdings nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die Unternehmen selbst die Zeche. Stressfolgen wie Herz- und Kreislaufleiden, häufige Infektionskrankheiten, chronische Erschöpfung oder ein bereits klinisch manifester Burnout sind inzwischen ein volkswirtschaftlicher Kostenfaktor in Milliardenhöhe.

“Erreichbarkeits-Disziplin” vermindert Arbeitsdruck

Smartphone und/oder Laptop sollten deshalb mindestens im Urlaub abgeschaltet werden. Wer sich nicht an diese Regel hält, riskiert, dass die Erholungszeit ungenutzt verpufft und er erschöpfter als zuvor an seinen Arbeitsplatz zurückkehrt. In größeren Unternehmen sollte eine Vertretung für die Urlaubszeit eigentlich immer möglich sein – am besten ist deshalb, den eigenen Urlaub langfristig zu planen und Verantwortlichkeiten für diese Zeit mit Vorgesetzten und Kollegen umfassend abzustimmen. Wenn die Firma durch eine ausgeprägte Präsenzkultur geprägt ist, können hieraus allerdings Schwierigkeiten entstehen. In diesem Fall ist es am besten, aktiv das Gespräch mit dem Chef zu suchen. Ein guter Vorgesetzter wird verstehen, dass ausgeruhte und motivierte Mitarbeiter dem Unternehmen einen größeren Nutzen bringen, als Arbeitnehmer, die permanent an ihrer Leistungsgrenze schuften.

Die Vorgesetzten selbst unterliegen dem Erreichbarkeitszwang oft nochmals deutlich stärker als ihre Teams und können ihren Arbeitsplatz oft tatsächlich nicht für ein paar Wochen vollständig verlassen. Durch etwas Disziplin kann der Arbeitsdruck in den Ferien allerdings deutlich abgemildert werden: E-Mails sollten im Urlaub nur gezielt und zu einem festen Zeitpunkt abgerufen werden und die Job-Kommunikation sich auf wichtige Kernthemen beschränken. Kompliziertere Fragen lassen sich statt in ausführlichen E-Mails oft besser in einem Telefonat besprechen. Urlauber, die häufig mit der Firma telefonieren müssen, sollten hierfür fixe Telefontermine kommunizieren und ansonsten ihre freie Zeit störungsfrei genießen.

Aus Sicht der Gesundheitsakademie Schmidbauer steht hinter einer solchen “Erreichbarkeits-Disziplin” fast immer auch ein Lernprozess, den viele Menschen in ihrem normalen Arbeits- und Alltagsumfeld nicht bewältigen können. Die Folge davon ist oft, dass sich das “Hamsterrad” immer schneller dreht, die eigene Arbeitsmotivation irgendwann ins Bodenlose sinkt und die Betroffenen hart an der Burnout-Grenze leben. In unseren Intensivtrainings zur Burnout-Prävention geht es unter anderem darum, dass Sie zu Ihren aktuellen – und Sie erschöpfenden – Verhaltensmustern positive Alternativen kennenlernen, die Sie in Ihrem Alltag später erfolgreich praktizieren.

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Datum: Freitag, 12. April 2013 10:22
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