Studie: Deutsche fühlen sich gesünder – und leiden unter Stress

Das Robert-Koch-Institut (RKI) präsentierte jetzt in Berlin die Ergebnisse seiner “Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland” (DEGS). Nach dem Bundes-Gesundheits-Survey aus dem Jahr 1998 ist die Ergebung die zweite Analyse, die Wohlbefinden und Krankheiten der Deutschen in diesem Umfang untersucht. Die RKI-Wissenschaftler haben dafür zwischen 2008 und 2011 die Gesundheitsdaten von 8.152 Personen ausgewertet. Das Alter der Befragten lag zwischen 18 und 79 Jahren, mehr als die Hälfte von ihnen war bereits in der Studie von 1998 dabei.

Die positive Nachricht: Wir sind kein Volk von Kranken. Drei Viertel der Studienteilnehmer gaben an, sich gesundheitlich gut oder sogar sehr gut zu fühlen. Nach den Angaben des RKI schreitet dieser Trend seit den 1990er Jahren kontinuierlich fort, besonders deutlich werde er bei älteren Menschen: Jeder zweite Senior über 70 gab an, sich gesund zu fühlen. Allerdings: Menschen mit niedrigen Schulabschlüssen und geringen Einkommen werden öfter krank und schätzen ihren Gesundheitszustand schlechter ein.

Ein Zehntel der Befragten leidet unter Dauerstress

Aus der Studie geht hervor, dass rund ein Zehntel der Erwachsenen in Deutschland mit Stress und seinen Folgen zu kämpfen hat. Menschen, die von chronischem Stress betroffen sind, entwickeln häufiger als andere Schlafstörungen, depressive Symptome oder einen Burnout. Frauen geben deutlich häufiger als Männer an, unter Stress zu leiden. Interessant ist, dass die Befragten Stress nicht nur mit ihrer Arbeit, sondern mit ihrem gesamten Alltag in Verbindung brachten. Als ein zentraler Stressfaktor wird demnach Lärm betrachtet: Jeder Dritte leidet unter Straßenverkehrsgeräuschen, jeder Vierte unter lauten Nachbarn, Fluglärm spielte für jeden fünften Befragten eine Rolle.

Manifeste psychische Symptome spielten ebenfalls für einen nicht geringen Anteil der Befragten eine Rolle: Rund ein Drittel von ihnen war von schweren Ein- oder Durchschlafstörungen betroffen, acht Prozent erlebten mindestens eine depressive Episode, bei 1,5 Prozent der Studienteilnehmer wurde im Jahr zuvor ein Burnout festgestellt.

Jeder fünfte Deutsche erfährt psychische Gewalt

Erstmalig wurde repräsentativ erhoben, wie viele Menschen hierzulande mit der Erfahrung körperlicher oder psychischer Gewalt zu leben haben: Jeder Zwanzigste hatte demnach im letzten Jahr physische Gewalt erfahren, unter psychischer Gewalt litt sogar jeder fünfte Deutsche. Bis zu drei Viertel der Opfer von Gewalt spüren die Folgen in ihrem allgemeinen Wohlbefinden.

Daneben spielten in der Studie natürlich auch die “klassischen” Volkskrankheiten eine Rolle: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Übergewicht und Rückenleiden. Interessant in diesem Kontext: Die Bereitschaft der Deutschen zu Sport, Fitness und einer insgesamt gesunden Lebensweise ist im vergangenen Jahrzehnt deutlich angestiegen, die Empfehlungen der WHO zu mindestens zwei Stunden Bewegung wöchentlich erfüllt trotzdem nur jeder Fünfte. Der Anteil der Übergewichtigen stagnierte im gleichen Zeitraum bei etwa 53 Prozent der Frauen und 67 Prozent der Männer. Steigend ist dagegen die Zahl von Adipösen mit einem Body-Mass-Index über 30 – der Zuwachs betrifft vor allem jüngere Menschen bis zu 40 Jahren. Beim Konsum von Alkohol und Zigaretten liegen junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 29 Jahren recht eindeutig vorn. Die Wissenschaftler sehen hier ebenso wie für Bewegung und Ernährung die Notwendigkeit weiterer Präventionskampagnen.

Die DEGS-Erhebung liefert unter anderem eine wissenschaftliche Basis für eine verbesserte und zielgruppenspezifischere Präventionsarbeit. Mit der Berliner Präsentation ist die Studie übrigens nicht abgeschlossen. Neben weiteren Auswertungen des bereits gesammelten Datenmaterials sollen In den nächsten Jahren Erhebungen zu speziellen Problemen folgen.

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Datum: Dienstag, 28. Mai 2013 11:57
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