Studienstress ist durch den Bachelor gewachsen

Eine der grundlegenden Paradigmen der Burnout-Forschung lautet: Wer an seinem Arbeitsplatz hohe Erwartungen erfüllen muss, aber nur über wenig Entscheidungsspielräume verfügen kann, wird schnell gestresst, erschöpft und unzufrieden. Das Demand-Control-Modell wurde bereits 1979 durch den US-amerikanischen Soziologen Robert Karasek wissenschaftlich eingeführt und dient seitdem zur Bewertung von Belastungsfaktoren durch die Arbeit.

Psychologen der Universität Heidelberg haben das Modell jetzt auch auf die Arbeits- und Lebenswelt von Studenten übertragen. Ziel der Studie war, herauszufinden, wie sich Stressbelastung und Zufriedenheit von Studenten seit der Umstellung der meisten Studiengänge auf Bachelor und Master verändert haben. Im Kern ging es dabei um die Frage, ob und wie der Bachelor krank macht – Hinweise darauf finden sich in den Erfahrungen von Studienberatern ebenso wie in frühere Studien. Die Ergebnisse der Untersuchung erschienen jetzt im Fachjournal “Psychologische Rundschau”.

Zeitaufwand – kein brauchbares Kriterium für Stressbelastung

Für die Studie wurden 405 Psychologiestudenten an vier Universitäten befragt. Darunter waren neben 307 Bachelor- auch 98 Diplom-Studenten aus verschiedenen Semestern. Die Studienleiterin und Psychologie-Professorin Monika Sieverding betonte, dass die Untersuchung nur für Psychologie-Studenten repräsentativ ist, sie in anderen Fächern jedoch mit vergleichbaren Resultaten rechne. Ihr Fazit: Ja – der Bachelor macht der Tendenz nach krank.

Dass die Belastungen im Studium gestiegen sind, entspricht nicht nur dem subjektiven Empfinden der Studenten, sondern beruht auf Fakten. Zwar hat sich der Zeitaufwand für das Studium in den letzten Jahren kaum verändert und liegt zwischen 20 und 36 Wochenstunden. Sieverding und ihr Forschungsteam halten dies jedoch nicht für ein brauchbares Kriterium für die Einschätzung der tatsächlichen Belastung.

Haupt-Stress-Faktoren: Leistungsdruck und zu kurze Regelstudienzeiten

Die Studienautoren haben ermittelt, dass die pro Woche investierte Studienzeit nur einen sehr geringen Einfluss auf das Stressempfinden hat und die Zufriedenheit der Studenten generell nicht berührt. Auch die geringere Entscheidungsfreiheit in den stark verschulten Bachelor-Studiengängen spielte als Stresskriterium nur eine marginale Rolle. Auf die Zufriedenheit wirkte sich das Vorhandensein von Entscheidungsspielraum dagegen deutlich aus. Im Vergleich zu den Diplom-Studenten litten die befragten Bachelor-Studenten vor allem unter deutlich stärkerem Leistungsdruck. Sieverding vermutet, dass hier der Notenstress der angehenden Bachelors eine zentrale Rolle spielt: Viele Noten für Klausuren oder Referate fließen direkt in die Abschlussnote ein und beeinflussen so die Chance, später einen Master-Studienplatz zu finden.

Die Heidelberger Psychologen plädierten vor diesem Hintergrund für längere Regelstudienzeiten sowie eine größere Zahl von unbenoteten Lehrveranstaltungen. Professorin Sieverding rät Studienanfängern in ihrem Fachbereich inzwischen explizit, sich für ihr Studium mehr Zeit zu lassen.

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Datum: Freitag, 31. Mai 2013 11:46
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