Unternehmen gegen Stress bei Mitarbeitern

Mittelstandsunternehmen wachen auf

Dass etwas schief läuft, vielleicht auch im eigenen Unternehmen – das einzusehen ist nicht leicht. Am Anfang, dies gibt auch Andreas Grieger von der Sick AG zu, sei es eben schwer, sich die eigene Schwäche einzugestehen. „Das rührt am Weltbild“, sagt der Personalchef der Sick AG.

Doch auch bei dem Sensorhersteller mit Sitz in Waldkirch (6300 Mitarbeiter weltweit) musste man irgendwann anerkennen, dass Mitarbeiter unter psychischen Problemen litten, die mit ihrer Arbeit zu tun hatten. Grieger: „Wenn die Zahlen der Kranken- und Rentenversicherungen einen Anstieg dieser Erkrankungen deutlich belegen, wäre es ja naiv anzunehmen, das würde uns nicht treffen.“

Bei Sick reagierte man entschlossen und mutig

Das Unternehmen entwickelte im vergangenen Jahr eine Art Gefährdungsanalyse, die auch den psychischen Fallen der einzelnen Arbeitsplätze auf die Spur geht. Die Mitarbeitervertretung, sagt Betriebsrätin Bärbel Frank, habe das Thema seit Jahren auf dem Schirm.

Es sei „aber wesentlich einfacher, physische Gefährdungen wie Lärm und Schmutz zu identifizieren als psychische“ zu erkennen. Befragungen ergaben: Die Mitarbeiter leiden bei Sick unter den klassischen Symptomen Zeit- und Arbeitsdruck, Arbeitsunterbrechungen und dem Gefühl, ständig mehrere Dinge gleichzeitig erledigen zu müssen.

Gemeinsam mit externen Partnern erarbeiteten Unternehmensleitung und Betriebsrat Fragebögen für die Mitarbeiter und setzten sich dann mit ihnen zusammen, um an Lösungen zu tüfteln. Die können recht einfach sein. In einigen Abteilungen, in denen es wichtig ist, eine bestimmte Zeit ungestört arbeiten zu können, wurde eine telefonfreie Zeit eingeführt.

Nicht alle Probleme bei Stress sind leicht lösbar

Personalchef Grieger etwa sagt, er sei erstaunt gewesen, wie groß die Angst unter einigen Mitarbeitern vor einem Verlust des Jobs sei. „Obwohl wir trotz Krise wirtschaftlich so stark sind.“
Trotz aller bisherigen Erfolge: Personaler und Betriebsrätin sind sich einig, dass der Aufbau eines psychischen Arbeitsschutzes bei Sick erst begonnen hat. Eine Erkenntnis ist aber bereits verinnerlicht: „Das Ganze geht nur mit den Mitarbeitern“, so Frank, „die wissen nämlich selbst am besten, wo der Schuh drückt und sind auch am ehesten in der Lage, Verbesserungsvorschläge zu machen.“

Stress auch im Privatleben

Druck, Stress und Anspannung erleben etliche Arbeitnehmer nicht nur im Job, sondern auch in jenen Stunden, die eigentlich der Ruhe und Entspannung dienen sollten. Auch im Privatleben gilt für viele das Dogma, die Zeit möglichst effizient auszunutzen. Da werden auf dem Weg von der Rutsche zum Sandkasten noch schnell Mails gecheckt; man installiert Dutzende von Apps, um Zeit zu sparen und sich in einer freien Minute noch schnell über alles Wichtige und Unwichtige zu informieren.

Quelle: Focus Magazin – Nr.24 /2013

 

Gut, wenn ein Personalchef mitzieht an der Burnoutprävention bei Mitarbeitern. Was aber, wenn nicht?

Wichtig ist für den einzelnen die Erkenntnis, dass eine dauernde Erreichbarkeit nicht verlangt werden kann (nicht einmal Ärzte sind das) und auf lange Sicht krank macht. Ebenso wichtig die Reduktion der permanenten Erreichbarkeit in der Freizeit.

Lesen Sie dazu auch unseren Artikel: Stressmanagement

 

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Datum: Dienstag, 8. Oktober 2013 8:30
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