“Vorwerk Familienstudie”: Berufstätige haben zu wenig Zeit für die Familie

Das Wuppertaler Familienunternehmen Vorwerk hat in diesem Jahr zum achten Mal seine “Vorwerk Familienstudie” vorgelegt, bei der ein repräsentativer Querschnitt durch die deutsche Wohnbevölkerung zu wichtigen Aspekten ihres Familienlebens befragt wird. Die Interviews sowie die Auswertung der Daten werden jeweils durch das Allensbacher Institut für Demoskopie geleistet.

Die “Vorwerk Familienstudie 2012″ war vorrangig dem Thema “Vereinbarkeit von Familie und Beruf” gewidmet, nachdem im vergangenen Jahr die – laut der Studie zunehmende – Familienfreundlichkeit der Arbeitgeber im Fokus stand. Als vorherrschendes Familienideal ermittelten die Meinungsforscher eine Sicht auf die Familie als “enge Solidargemeinschaft”, die von gegenseitigem Respekt getragen wird, den einzelnen Familienmitgliedern jedoch auch ihren Freiraum lässt. In der Realität kollidiert dieses Leitbild allerdings mit zwei Hauptproblemen: Vor allem Frauen sehen Defizite bei der partnerschaftlichen Aufgabenteilung in den Familien, über zu wenig Zeit für die Familie beklagt sich eine Mehrheit der Befragten.

55 Prozent der Mütter und 49 Prozent der Väter leiden unter Dauerstress

Laut der Studie hat die Stressbelastung zumindest in Familien mit zwei berufstätigen Partnern in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Sowohl berufstätige Mütter als auch Väter gaben an, dass sie sich in ihrer Freizeit kaum noch entspannen können. Bei den Müttern, die übrigens zu zwei Dritteln als Angestellte ohne Leitungsfunktionen sowie in Teilzeitjobs beschäftigt waren, ergeben sich aus Haushalt und Kinderbetreuung zusätzliche Lasten – etwa 75 Prozent von ihnen müssen diese weitgehend ohne die Hilfe ihrer Partner stemmen. Als Konsequenz daraus klagen 55 Prozent der Mütter trotz der geringeren Beanspruchung durch Erwerbsarbeit über Anspannung und Dauerstress. Bei den Männern hatten “nur” 49 Prozent Probleme, sich zu entspannen und den Stress hinter sich zu lassen. Aus Sicht der Väter steht als Belastungsfaktor erwartungsgemäß der Beruf im Vordergrund.

Nach der Mehrheit der Befragten hat der Druck im Job in den letzten Jahren beträchtlich zugenommen. 29 Prozent aller Berufstätigen haben auch außerhalb der regulären Arbeitszeiten nicht wirklich frei. Vor allem Führungskräfte und höhere Beamte müssen auch am Abend und am Wochenende für ihre Chefs, Mitarbeiter oder Kunden erreichbar sein – 54 Prozent von ihnen gaben einen entsprechenden Arbeitsrhythmus an. Noch höher liegt dieser Wert mit 63 Prozent nur bei Selbstständigen und Freiberuflern.

Zusätzliche Freizeit – für die meisten der Befragten Familienzeit

Als wichtige und familienfördernde Entlastung benannten die Befragten flexiblere Arbeitszeiten, eine Reduktion der beruflichen Belastung, eine bessere Betreuungs-Infrastruktur an ihrem Wohnort sowie – aus Sicht der Frauen – eine stärkere Beteiligung des Partners an der Familienarbeit. Eine Stunde mehr freie Zeit am Tag würden 65 Prozent der Väter für größeres familiäres Engagement verwenden. Bei den Frauen gaben 48 Prozent an, diese Stunde als zusätzliche Familienzeit zu sehen, 40 Prozent würden sie gern für sich selber nutzen. Als besonders zeitbedürftig erwiesen sich Frauen in der Altersgruppe zwischen 45 und 60 Jahren, die neben ihrem Beruf und dem eigenen Familienhaushalt oft auch noch Versorgungsaufgaben für die eigenen Eltern übernehmen – 63 Prozent von ihnen betrachten eine zusätzliche Stunde Freizeit als persönliche Entspannungszeit.

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Datum: Mittwoch, 7. November 2012 11:57
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