Welttag der seelischen Gesundheit in diesem Jahr der Depression gewidmet

Alljährlich am 10. Oktober wird – als eine Initiative der WHO – der Welttag der seelischen Gesundheit begangen. In diesem Jahr soll der Tag daran erinnern, dass Depressionen weltweit zwar eine der am weitesten verbreiteten psychischen Erkrankungen sind, die Betroffenen jedoch oft nicht oder nicht angemessen behandelt werden – unter anderem, weil sie aus Scham nicht nach professioneller Hilfe suchen.

Die WHO definiert eine Depression als “Gefühl der Traurigkeit”, das zwei Wochen oder länger anhält und eine “normale Teilnahme am Leben” unmöglich macht. Weltweit sind über 350 Millionen Menschen an einer Depression erkrankt. Nach Angaben der WHO findet sich das Leiden in allen Weltregionen, in allen sozialen Schichten und in reichen ebenso wie in armen Ländern. Frauen sind im Vergleich zu Männern doppelt so häufig von einer Depression betroffen, ihre Depressions-Rate wird unter anderem durch die sogenannte postnatale Depression getrieben, von der nach der Entbindung jede fünfte Frau betroffen ist.

Depressionen – oft nicht oder nur spät erkannt und nicht adäquat behandelt

Shekhar Saxena, der Leiter des WHO-Referats für psychische Gesundheit appellierte insbesondere an die Ärzte, bei ihren Patienten – nicht zuletzt bei Jugendlichen und Kindern – auf die Symptome einer Depression zu achten und so eine frühzeitige Behandlung der Erkrankung einzuleiten. Als Risikofaktor für Depressionen und die generelle seelische Gesundheit nannte er Arbeitslosigkeit und finanzielle Probleme, Katastrophen und Konflikte sowie körperliche Erkrankungen. Außerdem machte er auf die latente Suizid-Gefährdung bei Depressionen aufmerksam – pro Jahr nimmt sich weltweit rund eine Million Menschen selbst das Leben, rund die Hälfte von ihnen sei vorher depressiv gewesen.

Saxenas Fazit: Die Erkennung und Behandlung von Depressionen muss besser werden – die Erkrankung selbst gebe es seit Jahrhunderten, die eigentliche Nachricht sei jedoch, dass wir nichts dagegen tun.

Enttabuisierung psychischer Probleme bei Betroffenen & in der öffentlichen Diskussion

Die aktuelle Burnout-Diskussion in Medien und Gesellschaft ist vor diesem Hintergrund durchaus als ein positiver Trend zu werten. Die Grenzen zwischen einem Burnout als Stress- und Überlastungsfolge sowie Depressionen sind seit jeher fließend, zudem sind Depressionen meist eine wesentliche Folge respektive ein Bestandteil der chronischen Erschöpfung. Der Unterschied zwischen den beiden Diagnosen liegt unter anderem im Grad der “sozialen Stigmatisierung” der Erkrankung: Depressionen – und die daran Erkrankten – werden durch die explizite Definition als psychische Krankheit von vielen als Tabu behandelt, ein Burnout wird dagegen von der öffentlichen Meinung vor allem den Leistungsträgern der Gesellschaft zugeschrieben und gilt primär als Arbeits-Folge. Die Diagnose “Burnout” eröffnet so auch vielen Menschen einen Zugang zu professionellen Therapien, die Depressionen bei sich selbst weder vermuten noch akzeptieren und sich aus diesem Grund somit auch nicht zum Arzt begeben würden.

Aktuelle Statistiken – beispielsweise die Fehlzeiten-Berichte der Krankenkassen – die in den letzten Jahren einen starken Anstieg psychischer Erkrankungen belegen, sind in diesem Kontext nicht nur ein Hinweis auf den wachsenden Druck und krankmachende Faktoren in der modernen Arbeitswelt, sondern auch ein Indikator dafür, dass bei den Betroffenen die Hemmschwelle für die Thematisierung und Behandlung psychischer Probleme deutlich gesunken ist.

Autor:
Datum: Mittwoch, 10. Oktober 2012 10:57
Trackback: Trackback-URL Themengebiet: Burnout-Syndrom

Feed zum Beitrag: RSS 2.0 Diesen Artikel kommentieren

Kommentar abgeben