Wenn der Job die Seele frißt

Immer mehr Menschen geraten in die Burnout-Falle. Sie fühlen sich im Job gestresst, überfordert und nicht geschätzt. Gerade ihr Drang, fleißig und perfekt zu sein, lässt ihre Seele erkranken. Dabei helfen einfache Regeln gegen die Erschöpfung.

Eines Tages brach der 56-Jährige  Markus W. * weinend zusammen. Im Büro, unter den Augen der Kollegen. Als einen bitteren Moment bezeichnete er das. „Ich musste mir eingestehen, dass es nicht mehr ging.“

Seelischer Kollaps ohne ihn wahrzunehmen

Inzwischen kennt Markus W. sein Problem: Er liebt seine Arbeit – und neigt dazu, sich in den Job richtig reinzuknien. „Es gab Phasen, da habe ich mindestens 50 Stunden die Woche gearbeitet und bin regelmäßig am Wochenende ins Büro gefahren, um die Akten abzuarbeiten.“ So richtig zu „powern“, das habe ihm am Anfang Spaß gemacht und Befriedigung verschafft.
Doch dann ließen die Kräfte nach. Früher, sagt er, sei er wegen vermeintlicher Angstzustände wochenlang an seiner eigentlichen Krankheit „vorbeitherapiert“ worden. Über Burnout, hatte da noch niemand geredet.

* Name geändert

Stress, Druck und Angst

Viele Menschen fühlen sich durch die tägliche Job-Routine überfordert. Und das Gefühl trügt nicht. Laut Stressreport 2012, für den die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin bundesweit mehr als 17 500 Arbeitnehmer befragte, klagen 52 Prozent der Beschäftigten über Termin- und Leistungsdruck, 43 Prozent sind davon überzeugt, ihr Arbeitsstress habe in den letzten Jahren zugenommen. Fast jeder Fünfte fühlt sich überfordert.

Die Burnout-Epidemie kostet Unternehmen und Sozialversicherungen Milliarden

Auch Gewerkschaften und Rentenversicherer bestätigen: Der Job macht immer mehr Menschen fertig. Inzwischen, so die Berechnungen, leiden 41 Prozent all derer, die vorzeitig unfreiwillig aus dem Beruf ausscheiden, unter psychischen Störungen: etwa Depressionen, Panikattacken, Angststörungen.

Einige Arbeitnehmer wissen, dass ein Burnout verschiedene Ursachen haben kann. Was der eine verträgt, wirft den anderen eben aus der Bahn. Ein gemeinsamer Grund für die Erschöpfung so vieler Menschen ist allerdings deutlich zu erkennen. Die Arbeit wird immer schneller – und diese Beschleunigung stellet für viele Menschen ein Problem dar: sie können dem Tempo nicht standhalten.

Woran liegt es, dass die Arbeit Seelen zerschleißt?

Eine Antwort gibt Andreas Boes, Soziologe am Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung in München. In den vergangenen Jahren haben er und sein Team mehr als tausend Interviews mit Angestellten geführt. Fazit von Boes: „Wir haben eine neue Belastungskonstellation: Zum einen immer mehr ältere Arbeitnehmer, zum anderen aber eine deutliche Leistungsverdichtung.“ Unternehmen erwarteten einen immer höheren Output innerhalb der gleichen Arbeitszeit. Sämtliche Aufgaben seien heute in Prozesse zergliedert.

Das gelte für IT-Spezialisten, die Kundenanfragen nach einer strikten Regel abarbeiten müssten, genauso wie für Krankenschwestern, denen etwa die Art der Patientenwäsche vorgeschrieben sei, oder für Behördenmitarbeiter, die bei sämtlichen Anträgen nach einem bestimmten Muster vorzugehen hätten.

 

Arbeiten bis zum Umfallen

Die Zergliederung der Arbeit war früher einmal nur der Schrecken der Fließbandarbeit. Inzwischen frisst sie sich längst in alle Branchen und Berufe. Für beinahe jede Tätigkeit existieren Zeitvorgaben, an denen Controller und Optimierer im Namen der Effizienz immer weiter schrauben. Arbeitnehmer, warnt Boes, würden so jegliche Handlungsspielräume verlieren. Damit gehe das Bewusstsein verloren, selbst für das Unternehmen wichtig zu sein. „Die Leute fühlen sich nur noch als Zahl innerhalb eines Systems.“ Auch ein „System permanenter Bewährung“ verunsichere und quäle viele Menschen.

 

Was kann da dem Einzelnen helfen?

Ein jeder, der die Einflüsse solcher Belastungen bei sich selbst spürt, sollte dringend versuchen, sich einen Ausgleich zur täglichen Arbeitsroutine zu verschaffen, bei dem er etwas Eigenes kreiert: etwas

haptisch herzustellen und dieses dann wertzuschätzen kann eine gute Hilfe sein mit den unbefriedigenden Arbeitsprozessen und der Zergliederung im Beruf besser zu recht zu kommen.
Wer sich so etwas selbst nicht  zutraut, kann Kurse für z.B.  Malen, Bogenherstellung, Schreinern, u.v.m. besuchen.

Gute Tipps dazu gibt auch die Gesundheitsakademie Schmidbauer und bietet Hilfe in einem dreiwöchigen Seminar für Burnout Betroffene.

 

Quelle: Focus Magazin – Nr.24 /2013

 

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Datum: Dienstag, 10. September 2013 9:00
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